In der zentralnigerianischen Stadt Minna ist es diese Woche zu einer grausamen Tragödie gekommen, wie unter anderem die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP berichten. Am 15. und 16. September führte die paramilitärische Behörde Nigeria Security and Civil Defense Corps (NSCDC) eine Razzia gegen Personen durch, die sie des illegalen Bergbaus in der Region Wushishi-Lukoto verdächtigte.
Nigeria versucht, den illegalen Bergbau einzudämmen, um dadurch entstehende Umweltschäden und Einnahmeverluste für den Staat zu vermeiden. Auch Bandenkriminalität und Schutzgelderpressung sind die Folgen der verbotenen Goldsuche. Die Bergleute, die ohne Genehmigung nach Gold schürfen, argumentieren wiederum, sie täten dies nur, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern.
Nach der Razzia in den mutmaßlich illegalen Minen muss etwas Schreckliches vorgefallen sein: Angehörige, die sich auf die Suche nach den Festgenommenen machten, fanden am Donnerstag 37 davon nur noch tot auf. Ihre Leichname waren im Allgemeinen Krankenhaus von Minna aufgebahrt. Viele der Todesopfer waren noch minderjährig.
Zunächst war die Rede davon gewesen, der Ausbruch einer nicht näher spezifizierten Krankheit habe zum Tod der Inhaftierten geführt. Später dagegen wurde verlautbart, die Todesursache sei noch nicht geklärt, man müsse erst medizinische Untersuchungen anstellen.
Die Angehörigen hegen einen Verdacht gegen die verantwortliche Behörde: Die des illegalen Goldschürfens Verdächtigen könnten im NSCDC-Gewahrsam erstickt sein. Medienberichte zitieren Dauda Shehu, einen der überlebenden Bergleute: "Wir waren dicht gedrängt in der Zelle zusammengepfercht. Es gab keine Belüftung, sodass wir nicht richtig atmen konnten." Die Inhaftierten hätten in ihrer Bedrängnis zwar gegen die Zellentür gehämmert, die Bewacher hätten jedoch nicht darauf reagiert.
Ein anderer Überlebender schildert, wie die in der Zelle gefangenen mutmaßlichen Goldgräber um Hilfe baten: "Wir schrien um Hilfe und sagten den Wachen, dass die Leute einer nach dem anderen sterben." Die NSCDC-Wachen hätten ihnen jedoch nicht geglaubt. Ein weiterer Überlebender berichtet vom Versprühen einer unbekannten Substanz in der Zelle.
Einem AFP vorliegenden Geheimdienstbericht zufolge starben die Inhaftierten laut ersten Erkenntnissen aufgrund der Überbelegung der Zelle und unzureichender Belüftung. Mittlerweile sind viele der in der Zelle Umgekommenen bereits nach islamischen Brauch bestattet.
Nach Bekanntwerden der Todesfälle kam es in der 334.000-Einwohner-Stadt Minna, der Hauptstadt des Bundesstaates Niger, zu Protesten durch Hunderte von Menschen. Auch Ausschreitungen waren die Folge, wütende Jugendliche demolierten Augenzeugenberichten zufolge die Busse der örtlichen Verkehrsbehörde.
Sicherheitskräfte sollen Medienberichten zufolge die Menschenmenge mit Schüssen auseinandergetrieben haben, ob mit scharfer Munition oder Gummigeschossen, bleibt unklar. Am Freitag verhängten die Behörden schließlich eine nächtliche Ausgangssperre über die Stadt. Mittlerweile soll sich die Lage in Minna beruhigt haben. Sicherheitskräfte sind weiterhin in der Stadt zur Kontrolle der Situation unterwegs.
Der nigerianische Innenminister Olubunmi Tunji-Ojo ordnete ebenfalls am Freitag die sofortige Suspendierung des NSCDC-Kommandanten für den Bundesstaat Niger Suberu Siyaka Aniviye an. Er bleibt bis zum Abschluss einer vollständigen Untersuchung außer Dienst gestellt. Am heutigen Samstag rief Tunji-Ojo zudem eine unabhängige Untersuchungskommission ins Leben.
Mittlerweile ist auch der Generalinspekteur der nigerianischen Polizei Olatunji Rilwan Disu in Minna eingetroffen. Nigers Gouverneur Mohammed Umar Bago kündigte zudem eine dreitägige Staatstrauer an.
Mehr zum Thema – Nigeria eröffnet Prozess wegen Massenentführung von Schulkindern