Nach Druck Trumps: Südkorea will Truppen in die Straße von Hormus entsenden

Seoul erwägt die Entsendung eines Kriegsschiffs zur Unterstützung der USA im Krieg gegen Iran. Zuvor hatten die USA den Druck auf Südkorea erhöht und ein wichtiges gemeinsames Militärmanöver mit Seoul verkürzt. Auch wirtschaftlich scheint der Druck aus Washington zuletzt zuzunehmen.

Südkorea hat offenbar Vorbereitungen für eine mögliche Truppenentsendung in die Straße von Hormus begonnen. Die Regierung in Seoul habe den USA im vergangenen Monat signalisiert, ein Kriegsschiff und Aufklärungsflugzeuge zur Unterstützung des amerikanischen Militäreinsatzes bereitstellen zu können. Dies berichtete die Zeitung Chosun Ilbo am Freitag. Das Präsidialamt betonte anschließend, eine endgültige Entscheidung über eine Entsendung sei noch nicht gefallen. Seoul prüfe weiterhin verschiedene Optionen.

Ein Vertreter des Präsidialamts erklärte vor Journalisten, Südkorea habe über konkrete Möglichkeiten beraten, zur freien Schifffahrt in der Straße von Hormus beizutragen. Das Militär könne dort einen Beitrag leisten, ohne dass Südkorea seine Einsatzbereitschaft auf der koreanischen Halbinsel beeinträchtige.

Nach Angaben der Chosun Ilbo hat die Regierung zudem bereits Vorbereitungen getroffen, um die für den Militäreinsatz erforderliche Zustimmung des Parlaments einzuholen. Diese könnte noch im September erfolgen.

Der koreanische Sender SBS berichtete, Südkorea verhandle bereits mit Anrainerstaaten über mögliche Anlaufhäfen und einen Stützpunkt für den geplanten Einsatz. Im Gespräch seien das neue südkoreanische Logistikschiff "Soyang" sowie P‑8A‑Seefernaufklärer. Nach Angaben weiterer koreanischer Medien könnte Seoul diese Kräfte bis Ende des Jahres in die Region verlegen. Auch der Einsatz von Minensuchbooten werde erwogen.

Damit reagiert Präsident Lee Jae-myung auf den Druck von US-Präsident Donald Trump, der von Südkorea seit Monaten eine direkte Unterstützung im Krieg gegen Iran fordert. "Ich habe den südkoreanischen Präsidenten gefragt, ob er bereit sei, sich den Bemühungen zur Denuklearisierung Irans anzuschließen, aber er sagte: 'Nein, danke!'", schrieb Trump Mitte August auf seiner Plattform Truth Social.

Wenig später ließ Trump ein zentrales gemeinsames Großmanöver mit Südkorea, das der Abschreckung Nordkoreas dient, von zwei auf eine Woche verkürzen. Er begründete dies neben seinem guten Verhältnis zum nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un auch mit der aus seiner Sicht mangelnden Unterstützung Südkoreas für seinen Krieg gegen Iran.

Der Druck der USA auf Südkorea schien zuletzt auch im Wirtschaftsbereich zuzunehmen. Anfang der Woche erklärte US-Handelsminister Howard Lutnick, die Trump-Regierung arbeite an einer "gezielten" und "durchdachten" Zollpolitik für Halbleiter.

Die öffentliche Unterstützung für einen solchen Einsatz dürfte in Südkorea begrenzt sein. Eine Umfrage von Gallup Korea vom März ergab, dass 55 Prozent der Befragten gegen die Entsendung südkoreanischer Kriegsschiffe in die Straße von Hormus waren, während 30 Prozent einen solchen Schritt befürworteten.

Zuletzt reagierte Südkorea 2004 positiv auf ein amerikanisches Ersuchen um militärische Unterstützung in einem Krieg, als Seoul eine eigene Einheit in den Irak entsandte. 2009 beteiligte sich Südkorea zudem an einer internationalen Anti-Piraterie-Mission im Golf von Aden.

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