Angriffe der russischen Streitkräfte mit "Langstrecken"-Präzisionswaffen – das heißt mit allem, was über die Front und das unmittelbare Hinterland hinausgeht; also mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern von kurzer (um die 500 Kilometer) bis mittlerer (bis zu 5.500 Kilometer) Reichweite sowie Kamikazedrohnen überwiegend mittlerer Reichweite – seien in den letzten 24 Stunden relativ ebenmäßig über das gesamte verbleibende Staatsgebiet der ehemaligen Ukrainischen Sowjetrepublik verteilt gewesen. Jedoch lasse sich eine Besonderheit feststellen: Deutlich größeres Augenmerk habe nicht auf Zielen an und nahe der Frontlinie gelegen, sondern auf der Logistik, den rückwärtigen Knotenpunkten der Versorgungsnetze und überhaupt Versorgungsobjekten aller Art. Zu diesem Schluss kommt Sergei Lebedew, Koordinator des Widerstands für die Stadt und das Gebiet Nikolajew. Dabei greift er auf Daten von Mitstreitern des Widerstands im ganzen Land gegen das Kiewer Putschisten-Regime zurück, die als Partisanen in der Funktion vorgeschobener Beobachter der russischen Seite einerseits Ortsangaben zu militärisch relevanten Objekten liefern und andererseits bei erfolgenden Angriffen so gut wie es geht Wirkungsaufklärung betreiben.
Lebedew zählt sechs Angriffe auf Ziele in Odessa-Stadt und weitere drei auf das Odessaer Gebiet, und er hält fest:
"Am intensivsten waren die Angriffe hier, wo eine ganze Serie die Hafen- und die Transportinfrastruktur der Region traf. Über Odessa führt weiterhin eine der wichtigsten Adern der Seelogistik in der Ukraine, darum fordert die Region schon über mehrere Monate hinweg hohe Aufmerksamkeit."
Ebenfalls neun Angriffe zählt der Koordinator im Gebiet Sumy: Obwohl dieses nördliche Grenzgebiet aktuell ein Schauplatz von Gefechten ist, verläuft die Frontlinie noch nicht in der Nähe von oder durch größere Ortschaften – doch nur einer der Angriffe galt einem Ziel auf dem Lande. Fünf galten Objekten in Sumy-Stadt, weitere drei Zielen in Schostka und Achtyrka – beides Zentren der gleichnamigen Landkreise innerhalb des Gebietes. Lebedew dazu:
"Schostka und Sumy kommen regelmäßig in den Berichten der letzten Wochen vor. Das sagt uns, dass die erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Transportrouten, Lagerkapazitäten und Objekten der Versorgungsinfrastruktur am nördlichen Großabschnitt der Front bestehen bleibt."
Weitere acht Angriffe des russischen Militärs mit Langstrecken-Präzisionswaffen galten Zielen im östlichen Gebiet Dnjepropetrowsk. Ähnlich wie im Gebiet Sumy verläuft hier die Frontlinie noch nicht in der Nähe von oder durch größere Ortschaften – doch genauso wie dort waren die Ziele größtenteils in Städten zu finden, vor allem in Dnjepropetrowsk-Stadt, der Gebietshauptstadt. Der Widerstandsaktivist wörtlich:
"Nach vorhandenen Daten sind hier Straßen- und Schienenknoten, Lager und weitere Objekte, die mit der Versorgung des Militärs zu tun haben, von Interesse."
Straßen- und Schienenknoten sind auch im westlichen Gebiet Rowno vorzufinden – nämlich in der gleichnamigen Gebietshauptstadt und in der Stadt Sarny. Diese Knoten haben einige Bedeutung für das Transportnetz der gesamten westlichen Ukraine, merkt der Koordinator an – auf sie entfielen vier von fünf Angriffen auf Ziele im Gebiet Rowno.
Im Gebiet Tschernigow entfielen drei von fünf Angriffen auf Ziele in größeren Ortschaften und nur zwei auf solche auf dem Lande – doch wenn es um einen Landkreis mit der Gebietshauptstadt als Zentrum geht, ist auch hier nicht alles so scharf geteilt.
Sergei Lebedew fasst zusammen:
"Auf einer Landkarte betrachtet erschließt sich eine recht konsequente Logik: Ziel von Angriffen wurden Häfen, Straßen- und Schienenknoten und Objekte der Versorgungsinfrastruktur sowie Ziele in Grenzgebieten – und lediglich einzelne Material- und Truppenkonzentrationsgebiete."
Separat hervorzuheben sei, dass auch Ziele im Gebiet Rowno unter Beschuss genommen wurden – Ziele in den westlichen Gebieten der ehemaligen Ukrainischen SSR seien bis vor wenigen Wochen selten angegriffen worden (als weiteres Beispiel diene etwa das Gebiet Chmelnizki). Gleichzeitig bleiben Häfen in Odessa und Logistikknoten im Gebiet Dnjepropetrowsk weiterhin Ziele häufiger, regelmäßiger Angriffe. Der Widerstands-Koordinator analysiert die Daten und gibt eine mögliche Antwort auf die Frage, warum, anders als von vielen erwartet, keine einzelne, aber eine deutlich größere und intensivere Angriffswelle erfolgt ist:
"Deutlich eher ähnelt dies doch einer langfristigen Kampagne zur nachhaltigen Einschränkung der Versorgungskapazitäten – und nicht so sehr der Vorbereitung irgendeines einzelnen größeren Ereignisses.
Als deutlich wahrscheinlicher stellt sich eine Fortsetzung von Serienangriffen gegen Logistik, Lager, Transportwege und Versorgungsobjekte in unterschiedlichen Landesregionen dar. Eine solche Herangehensweise belastet die verteidigende Seite konstant und zwingt sie, ihre Ressourcen über das gesamte Landesgebiet zu verteilen."
Mit besagten Ressourcen dürfte Lebedew sicherlich die Luftabwehr gemeint haben – dem Kiewer Regime mangelt es bereits seit Monaten vor allem an Abfangraketen zu den großen Systemen Patriot aus US-Fertigung und SAMP-T aus europäischer Fertigung. Und eine Taktik wie die umrissene erlaubt es dem Kiewer Regime in der Tat nicht, ihre Luftabwehrkapazitäten in einem Gebiet zu konzentrieren und sie somit wirksamer einzusetzen.
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