Wie die italienische Tageszeitung Corriere della Sera in ihrer Venedig-Ausgabe berichtet, beabsichtigt Simone Venturini, der Ende Mai zum neuen Bürgermeister Venedigs gewählt worden ist, eine deutliche Erhöhung der Gebühren für touristische Tagestickets. Sollte Venturini von der Regierung in Rom grünes Licht für sein Vorhaben bekommen, könnte ein Tagesticket dann 30 bis 50 Euro kosten.
Bereits jetzt verlangt die Lagunenstadt an bestimmten Tagen im Jahr eine Eintrittsgebühr, mit dem Ziel, den Kurzzeit-Massentourismus zu steuern. Venturini war als Tourismus-Experte an der Entwicklung dieser Gebühr vor einigen Jahren beteiligt, die allerdings bisher weit unter den nun im Raum stehenden 30 bis 50 Euro liegt.
In diesem Jahr beträgt die Gebühr für Kurzzeitbesucher an insgesamt 60 Tagen jeweils 10 Euro. Frühbucher müssen nur 5 Euro bezahlen. Die Einnahmen durch die Touristenabgabe betrugen im Jahr 2024 rund zwei Millionen Euro, im Folgejahr ungefähr 5,5 Millionen Euro.
Da die Gebühr allerdings kaum regulierende Auswirkungen hat und Venedig weiterhin mit Touristen überfüllt ist, will sie Bürgermeister Venturini nun deutlich erhöhen. Gemäß Venturinis Wahlprogramm sollen die damit erzielten Einnahmen der einheimischen Bevölkerung zugute kommen, etwa durch Reduzierung der Ticketkosten für den Nahverkehr oder durch die damit finanzierte Sanierung von Sozialwohnungen.
Nicht jeder ist mit dieser drastischen Erhöhung jedoch einverstanden: Venedigs Ex-Bürgermeister Massimo Cacciari sprach diesbezüglich von einer "puren Barbarei". Es gebe "keine andere italienische oder europäische Stadt, in der man es wagen würde, Besuchern den Eintritt mit einem Ticket zu erlauben, als wäre sie ein Museum".
Auch rechtliche Bedenken gibt es. Der Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli ist etwa der Ansicht, eine 50 Euro betragende Eintrittsgebühr könne eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit darstellen:
"Wenn 10 € als Beitrag gelten können, stellen 50 € eine Einschränkung der Freizügigkeit der Bürger dar, eines in der Verfassung verankerten Prinzips", wird der Jurist vom Corriere zitiert.
Andererseits findet die Gebühr auch Befürworter, etwa bei den Geschäftsleuten und Hoteliers, die wenig an den Tagesgästen verdienen und darauf hinweisen, dass ihre Übernachtungsgäste ebenfalls Kurtaxe zahlen müssen.
Für Unruhe sorgte in Italien auch das ursprüngliche Ansinnen Venturinis, die derzeit bestehende Gebührenbefreiung für Venezianer, die nicht in Venedig wohnen, abzuschaffen. Diesbezüglich rudert die Stadtverwaltung allerdings bereits wieder zurück.
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