Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stellte heute in Berlin das vom Bundeskriminalamt (BKA) ausgearbeitete sogenannte "Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen" vor. Bei der Pressekonferenz ebenfalls zugegen waren BKA-Chef Holger Münch sowie die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus. Die Dreiergruppe hatte keine erfreulichen Zahlen zu vermelden.
Denn dem BKA-Lagebild zufolge ist im vergangenen Jahr der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen angestiegen. Das BKA griff dabei auf Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zurück. So gab es im Jahr 2025 17.126 registrierte Fälle von Missbrauch an Kindern. Das sind 772 mehr Straftaten als im Vorjahr 2024 und bedeutet einen Anstieg von 4,7 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2021 waren 2025 sogar 1.619 mehr pädokriminelle Sexualstraftaten zu verzeichnen.
Die Mehrzahl der Opfer ist weiblichen Geschlechts. Im Jahr 2025 erfassten die Behörden 18.736 Kinder als Opfer von sexuellem Missbrauch, 13.870 Mädchen und 4.866 Jungen. Damit sind die Opferzahlen ebenfalls gestiegen, der Anstieg macht 3,6 Prozent aus. Eine Mehrfacherfassung ist möglich, da ein Kind mehrfach sexueller Gewalt zum Opfer gefallen sein kann.
Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2024 sind im darauffolgenden Jahr auch die Missbrauchsfälle an Jugendlichen wieder angestiegen, und zwar um 4 Prozent. 2025 waren insgesamt 1.239 Fälle von sexuellem Missbrauch an Jugendlichen zu vermelden. Auch hier waren die Opfer zum großen Teil weiblich.
Diese Zahlen spiegeln nur die bekannt gewordenen Missbrauchstaten wieder, das sogenannte Hellfeld. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geht jedoch von einem großen Dunkelfeld aus, also Verbrechen an Kindern und Jugendlichen, die nicht zur Anzeige gebracht wurden. Weiterhin besteht bei sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen meist eine Vorbeziehung zwischen dem Opfer und dem Tatverdächtigen, woraus sich schließen lässt, dass überfallartige Taten von Unbekannten weniger häufig sind. Die Täter handeln den Erkenntnissen des BKA zufolge meist allein. Entsprechend der Anzahl der gemeldeten Missbrauchsfälle stieg auch die Zahl der Tatverdächtigen bei Missbrauchsverbrechen an Kindern um 3,7 Prozent auf 12.823.
Deutsche Tatverdächtige machen zu fast 81 Prozent den Hauptteil aus, der Anteil der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen beträgt lediglich 19,2 Prozent. Deren Nationalität ist meist syrisch, afghanisch oder türkisch. Mit 94,1 Prozent ist der Großteil der des Kindesmissbrauchs Verdächtigen männlich, aber der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen ist leicht gestiegen: von 5,5 Prozent im Jahr 2024 auf 5,9 Prozent im Jahr 2025.
Bemerkenswert findet das BKA den Umstand, dass mit 31,4 Prozent fast ein Drittel der Tatverdächtigen selbst noch Kinder und Jugendliche waren. Der Behörde zufolge seien sich viele der kindlichen oder jugendlichen Täter nicht bewusst, eine strafbare Handlung zu begehen.
Im Bereich der Jugendpornographie ist die Zunahme der Fälle besonders hoch. Im Jahr 2025 gab es 11.515 Anzeigen gegen derartige Straftaten. 2024 waren es demgegenüber nur 9.601 Fälle gewesen, ein Anstieg von 19,9 Prozent.
Als Ursache für dieses Hochschnellen jugendpornographischer Straftaten nannte das BKA mehrere Entwicklungen: Zum einen habe die US-amerikanische Hilfsorganisation NCMEC (National Center for Missing & Exploited Children) zahlreiche Fälle gemeldet.
Zum anderen finde jugendliche Sexualität zunehmend online statt, was sich auch auf die Zahl der Straftaten im Netz auswirke. Viele der Tatverdächtigen seien selbst noch minderjährig. Auch die Anzeigebereitschaft könnte sich aufgrund von entsprechenden Kampagnen erhöht haben.
Als aktuelle Entwicklung nannten die Ersteller des Lageberichts die Fortentwicklung der KI. Anhand von zunehmend einfacheren und niederschwellig nutzbaren KI-Modellen könnten die Täter missbräuchliche Bilder oder Videos von Kindern und Jugendlichen erstellen oder auch Bilder ihrer Opfer bearbeiten lassen. So komme es zum Beispiel zu pornographischen Deepfakes zum Schaden der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
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