Gitter durchgesägt: Filmreifer Gefängnisausbruch in Duisburg

Es ist nicht der erste filmreife Gefängnisausbruch in Deutschland: Wie 2006 in Dresden gelang einem Untersuchungshäftling am Sonntag die Flucht vom Fenster seiner Zelle aufs Dach der JVA Duisburg-Hamborn, von wo er in die Freiheit gelangte. Die Besonderheit: Irgendjemand hatte in der Zelle ein Versteck mit Werkzeug präpariert.

Einem Häftling der JVA Duisburg-Hamborn ist am frühen Sonntagmorgen ein filmreifer Gefängnisausbruch gelungen. Wie das NRW-Justizministerium am Sonntagvormittag mitteilte, handelt es sich bei dem Geflüchteten um einen 35 Jahre alten Mann, der wegen des Verdachts auf schweren Diebstahl seit dem 10. Februar in U-Haft saß. Er sei bereits wegen Wohnungseinbrüchen zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt, aber noch in Untersuchungshaft, weil über seine Revision gegen das Urteil noch nicht entschieden sei, zitieren Medien eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Den Ermittlungen zufolge hatte der 35-Jährige die Gitterstäbe vor seinem Zellenfenster im dritten von vier Stockwerken des Gebäudes durchgesägt. In der Nacht auf Sonntag gegen 3:20 Uhr habe er es durch den sehr schmalen Spalt aus seiner Zelle herausgeschafft und sei über die Fassade vom dritten Stock auf das Dach geklettert. Von dort gelangte er in die Freiheit.

In der Zelle des Ausbrechers wurde nach seiner Flucht ein "raffiniertes Versteck" im Boden entdeckt, in dem für den Mann wohl das zum Durchsägen der Stahlverstrebungen genutzte Werkzeug hinterlegt war. Die Ermittlungen, wer der Fluchthelfer mit Zugang zur Zelle sein könnte, sind bereits im Gange. Auch die Fahndung nach dem Flüchtigen laufe.

Politisch wird bereits der Rücktritt des Justizministers von Nordrhein-Westfalen, Benjamin Limbach (Bündnis 90/Die Grünen), gefordert. Nach einem ähnlich spektakulären Gefangenenausbruch aus der JVA Dresden im Jahr 2006 wurde der Rücktritt des damaligen sächsischen Justizministers Geert Mackenroth (CDU) gefordert, den dieser ablehnte. Mackenroth verlor sein Amt bei einer Kabinettsumbildung drei Jahre später.

Auch Limbach (B'90/Grüne) lehnt einen Rücktritt bislang ab. Den Medien gegenüber kündigte er eine umfassende Aufklärung des Vorfalls an. Ein Sicherheitsexperte des Ministeriums sei vor Ort und habe Nachforschungen aufgenommen, um die offensichtliche Sicherheitslücke zu finden und sofort zu schließen.

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