Verband: Preise für Milchprodukte werden deutlich steigen

Milch, Joghurt und ähnliche frische Milchprodukte könnten bald erheblich teurer werden. Die Interessenvertretung der deutschen Milch-Industrie sieht eine Wende bei den Preisen für Milcherzeugnisse. Verantwortlich für die Verteuerung sind unter anderem Wetterkapriolen.

Derzeit laufen die Preisverhandlungen für Milchprodukte, die sogenannte "Weiße Linie". Darunter versteht man frische, unverarbeitete beziehungsweise kurz haltbare Milcherzeugnisse wie Frischmilch, H-Milch, Buttermilch, Sahne, Quark, Joghurt und vieles andere mehr.

Eine Tendenz zeichnet sich bereits ab: Der Preis für die "Weiße Linie" wird teurer, nachdem der Milchpreis zuletzt ein Fünfjahrestief erreicht hatte. Dies berichteten zunächst die Lebensmittelzeitung und im Anschluss daran die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Informationen des Milchindustrie-Verbands (MIV). Der Verband vertritt die Interessen der Molkereien und milchverarbeitenden Betriebe in Deutschland.

Man werde bei den gegenwärtigen Kontraktverhandlungen entsprechende Preiserhöhungen fordern, hieß es vonseiten des MIV. Konkrete Zahlen, wie hoch die Preissteigerungen ausfallen sollen, nannte der Verband nicht.

Mehrere Faktoren spielen laut MIV bei der angekündigten Preissteigerung eine Rolle: Eine starke Nachfrage von Milchprodukten stoße auf eine zumindest regional durch die Sommertrockenheit gedämpfte Milchanlieferung.

Durch den von Klimaexperten vorhergesagten stark ausfallenden El-Niño-Effekt könnte sich zudem das weltweite Milch-Angebot zusätzlich verknappen, falls das Klimaphänomen Dürren in wichtigen milchproduzierenden Regionen hervorrufen sollte.

Einen weiteren Grund für den Preisanstieg hob Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) hervor, die von der Deutschen Presse-Agentur zitiert wird. Der Milchmarkt-Expertin zufolge boomten derzeit Molkenproteinkonzentrate, was das Milch-Angebot zusätzlich verknappe.

Der Preisanstieg hatte sich bereits bei der Butter und den verarbeiteten Milchprodukten der "Gelben Linie", also bei Käseerzeugnissen, angekündigt, nachdem insbesondere der Butterpreis zunächst stark zurückgegangen war. Nun ziehen also voraussichtlich die unverarbeiteten Milchprodukte nach.

Ob die Milch erzeugenden Bauern auch etwas von den steigenden Erlösen haben werden, ist noch unklar. Die Milchviehhalter waren durch die sommerliche Dürre teils schwer in Bedrängnis geraten, manche mussten aufgrund des Mangels an Grünfutter ihren Viehbestand reduzieren, das heißt, einige Tiere vorzeitig schlachten lassen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) forderte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass auch die Erzeuger von der Markterholung profitieren müssten, zumal die Landwirte weiterhin durch die hohen Dünger- und Treibstoffkosten erheblich belastet seien. Um die heimische Produktion von Milcherzeugnissen sicherzustellen, müssten die Erlöse gerecht entlang der Wertschöpfungskette verteilt werden, so DBV-Vizepräsident Karsten Schmal.

Mehr zum Thema – Hirschmilchkäse und pure Reinheit: In Russland entsteht "Käsestraße des Nordens"