Der Linken-Politiker und Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak bleibt nach seinen widersprüchlichen Aussagen über seine Kontakte zu einzelnen Mitgliedern des in Teilen schwerkriminellen Remmo-Clans im Recherchefokus der Hauptstadtmedien. Laut einem Artikel der Bild (Bezahlschranke) hatten Verwandte von Koçak in einem mittlerweile von der Berliner Justiz beschlagnahmten Remmo-Haus im Bezirk Neukölln Gewerberäume angemietet. Der Linken-Landesverband stellt sich jedoch weiter hinter das Mitglied im Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung.
Über sein Mandat im Wahlkreis 81: Berlin-Neukölln schaffte der Linken-Politiker Ferat Koçak im Vorjahr den Einzug in den Bundestag. Ein Pressefoto der Anwesenheit des Oberhaupts des sogenannten Remmo-Clans in Berlin, Issa Remmo, auf der Wahlparty der Partei Die Linke am Wahlabend des 20. September dieses Jahres brachte Koçak und seine Partei in andauernde Erklärungsnöte.
Während vonseiten des attackierten Linken-Politikers und der Partei die Remmo-Kontakte als irrelevant und unwesentlich abgetan werden, belegen laut Bild-Recherchen der Zeitung vorliegende Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Berlin, dass "Familienmitglieder des Linken-Politikers Mieter in einer Remmo-Immobilie waren".
Das in den Unterlagen erwähnte Gebäude, ein Wohn- und Geschäftshaus in Berlin-Neukölln, das von den Ermittlungsbehörden wegen des Verdachts auf kriminelle Finanzierung im Vorjahr beschlagnahmt worden war, stellt die Glaubwürdigkeit der jüngsten Aussagen von Koçak noch weiter in Frage.
So hätten "enge Verwandte des Abgeordneten, darunter seine Tante und seine Cousins, Gewerberäume in dieser Immobilie des Remmo-Clans angemietet", wie die Bild behauptet. Koçak erklärte dazu bereits in der Vorwoche in einer Instagram-Stellungnahme:
"Ich erkläre einen Menschen nicht deshalb sofort zum Kriminellen, weil er einen bestimmten Nachnamen trägt oder der Sohn eines bestimmten Menschen ist."
Die Bild-Recherche ergibt dabei folgendes Gesamtbild:
"Im Dezember 2019 werden in dem Haus ein Burger-Laden, ein Spätkauf und der Hauseingang mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Koçak vermutet einen gezielten Angriff aus der rechten Szene auf ihn und seine Familie. Denn: Seine Tante und seine Cousins würden in dem Haus Geschäfte betreiben, erklärte der Politiker damals öffentlich. Zudem wohnten dort auch Angehörige von Koçak."
Ab dem Jahr 2011 habe "der Clan nach und nach das gesamte Mehrfamilienhaus in Neukölln (30 Wohnungen, 2 Gewerbeeinheiten)" erworben. Das Landgericht Berlin ordnete dann am 17. März 2025 die Einziehung von insgesamt 58 Immobilien der Remmo-Familie in Berlin und Brandenburg an. Betroffen waren auch Objekte in den Berliner Bezirken Neukölln und Mitte.
Die Zeit (Bezahlschranke) resümierte am Mittwoch dieser Woche nach einem Interview mit dem Linken-Politiker zu den direkten Kontakten zu einem Sohn des Familieneroberhaupts und der Einladung zu einer Remmo-Hochzeit:
"Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man die Geschichte von Ferat Koçak und der Familie Rammo verstehen kann. In der einen ist der Bundestagsabgeordnete Koçak ziemlich naiv – und in der anderen: lügt er."
In den sozialen Medien lautet die mehrheitliche Einschätzung in den Kommentaren, dass sich der Linken-Politiker in seinem jüngsten Instagram-Beitrag immer unglaubwürdiger präsentiere.
Der Linken-Politiker reagierte demnach nicht auf Medien-Anfragen zu dem Mieterverhältnis seiner Verwandtschaft in der Remmo-Immobilie. Parteiinterne Konsequenzen bleiben laut Welt-Recherchen vorerst weiter aus, da Koçak trotz seiner Verbindungen "zum berüchtigten Remmo-Clan keine Konsequenzen zu fürchten hat".
Bei einer Pressekonferenz in dieser Woche erklärten die beiden Fraktionsvorsitzenden der Links-Fraktion im Bundestag, "sie wollten Koçaks Bericht abwarten und dann weitere Konsequenzen beraten".
"In einer der nächsten Sitzungen" werde man dann klären, in welchem Ausschuss der Parteikollege zukünftig arbeiten "und wer auf Koçak im Innenausschuss folgen wird". Zuvor schrieben die beiden Linken-Parteichefs, Sören Pellmann und Heidi Reichinnek, in einer internen Nachricht, die der Welt-Redaktion vorliegt, dass "Parteimitglieder sich mit Äußerungen zu Koçak zurückhaltend verhalten sollen".
Die Linke-Vorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano erklärten zudem gegenüber Journalisten, Koçak stehe "außerhalb des Verdachts von organisierter Kriminalität".
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