Von Hans-Ueli Läppli
Der Mann, der mit seiner Recherche den Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer zu Fall brachte, hat nun selbst seinen Nebenjob verloren. Nach 14 Jahren legt Pascal Schmitz sein Amt als Stadionspeaker der Lakers mit sofortiger Wirkung nieder.
Auslöser sind alte Facebook-Posts aus der Zeit vor rund 15 Jahren, in denen er sich rassistisch, beleidigend und teils obszön geäußert haben soll – unter anderem soll er einen saudischen Schiedsrichter als "gelber arabischer Hurensohn" bezeichnet und ihm empfohlen haben, künftig lieber Kamelrennen zu pfeifen.
Die Lakers verurteilen die Äußerungen "aufs Schärfste" und begrüßen den Rücktritt. Das SRF distanziert sich "klar" und betont, solche Inhalte entsprächen nicht den publizistischen Richtlinien.
Schmitz selbst spricht von einem "persönlichen Fehler" und will mit seinem Schritt Schaden von dem Verein abwenden, der ihm angeblich eine Herzensangelegenheit sei.
Genau das schreiben nun Hunderte in den Kommentarspalten:
"Der Bumerang ist zurückgekommen."
Der Journalist, der Patrick Fischer wegen eines mehrere Jahre alten, bereits geahndeten COVID-Zertifikatsvergehens öffentlich machte und damit eine mediale Schlammschlacht auslöste, wird nun selbst an seinen eigenen alten digitalen Sünden gemessen.
Und plötzlich herrscht bei den großen Playern – Tamedia, Ringier, SRG – auffällige Stille.
Wo man bei Fischer mit Dutzenden Artikeln nachgetreten hat, wird bei Schmitz das Kommentarfeld deaktiviert oder die Berichterstattung fällt auffallend zurückhaltend aus.
Die Qualitätsmedien, die sonst so laut Transparenz und Verantwortung predigen, werden sehr leise, wenn es den eigenen Mann trifft.
Das ist kein Zufall. Es zeigt das doppelte Maß, das in Teilen des gebührenfinanzierten Journalismus herrscht.
Schmitz hat nicht einfach "seinen Job gemacht", wie SRF-Chefredaktion und Nachrichtenchef Gregor Meier ihn verteidigen. Er hat in einem vertraulichen Gesprächsumfeld eine Information aufgeschnappt und sie zur Waffe gemacht – zu einem Zeitpunkt, der dem Schweizer Eishockey und der Nationalmannschaft massiv schadete. Viele Fans sehen darin weniger heldenhaften Journalismus als gezielte Denunziation.
Nun holt ihn die Vergangenheit ein. Und die Kommentare sind unmissverständlich:
"Schmitz ist für SRF per sofort nicht mehr tragbar."
"Weg mit diesem Rassisten – fristlos."
"Der Typ muss komplett weg."
Viele sehen in den 15 Jahre alten Posts nicht bloß Jugendsünden, sondern einen Charakterzug, der erklärt, warum er in der Causa Fischer so rücksichtslos vorging.
Das SRF finanziert sich zu einem großen Teil aus Zwangsgebühren. Wer in einer solchen Institution arbeitet, sollte ein Minimum an Glaubwürdigkeit, Integrität und Medienkompetenz mitbringen.
Jemand, der selbst rassistische Entgleisungen auf dem Konto hat und gleichzeitig mit moralischer Überlegenheit andere öffentlich richtet, erfüllt diese Anforderungen nicht mehr.
Viele wetten bereits, dass Schmitz bleiben darf – mit einer internen Ermahnung und dem üblichen "Lernprozess". Das wäre typisch für den Staatssender: Strenge nur, wenn es die anderen trifft. Bei den eigenen Leuten gilt plötzlich Milde und "Kontext".
Das Internet vergisst nie. Und die Öffentlichkeit auch nicht. Der Fall Schmitz ist ein Lehrstück in Doppelmoral und digitalen Altlasten.
Wer mit Steuergeld bezahlt wird und täglich über die Moral anderer urteilt, muss sich selbst an den höchsten Maßstäben messen lassen – oder besser gleich den Hut nehmen.
Ein Job weniger beim Staatssender wäre kein Skandal. Es wäre eine überfällige Konsequenz.
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