Von Dagmar Henn
Da kam es also heute in Berlin zu einer großen Razzia gegen illegalen Waffenhandel. Und vor wenigen Tagen tauchte ein örtlicher Mafiaboss bei der Wahlparty der Linken auf, was in der Folge groß durch die Presse ging. Irgendwie müssen die beiden Ereignisse etwas miteinander zu tun haben, oder?
Schließlich hat die Nummer rund um den SPD-Spitzenkandidaten Stefan Krach kurz vor der Wahl erst wieder in Erinnerung gerufen, dass Intrige und Berlin eigentlich Synonyme sind. Auch wenn Krach kein Politiker ist, den ich schätze – er ist sogar leicht überdurchschnittlich russophob –, das, was da lief, war eine sehr eigenartige Nummer. Weil eine Justizministerin aus seiner eigenen Partei in Hannover die Hand auf dem Knopf hatte und weil selbst ein deutscher Staatsanwalt begreifen können müsste, dass der Vorsitzende eines Aufsichtsrats jedes Dokument einer Sitzung lange vorher kennt und niemandem erst danach etwas stecken muss. Die ungeklärte Frage ist nur, wer hat da die Strippen gezogen, und warum …
Dass die Linke in Berlin das mit dem Antirassismus oft in den falschen Hals kriegt, ist bekannt. Dass die spätere Neuköllner Jugendamtschefin Sarah Nagel (ja, die mit der nicht verfolgten Vergewaltigung) in ihrer vorhergehenden Position als Chefin des Ordnungsamts sich gegen die Teilnahme von Vertretern ihrer Behörde an Durchsuchungen bei "Clans" gestellt hat, weil das rassistisch sei, ging vielfach durch die Presse.
Wobei, natürlich, Neuankömmlinge immer und überall auf die unteren Ebenen der Kriminalität verwiesen werden, weil die richtig großen Nummern, wie Cum-Ex oder die Milliardenverträge mit Pfizer, das Privileg der Eingeborenen sind. Trotzdem blieb Nagels Ansatz absurd, als hätte man sich im Chicago der 1920er gegen Razzien bei Al Capone erklärt, nur weil Rockefeller ganze Länder ausplündert und man so doch die Italiener diskriminiert. So ganz unwichtig ist es eben dann doch nicht, ob auf den Straßen herumgeballert wird oder nicht.
Womit wir wieder beim Thema wären. Also, ab Montag wurde der Auftritt eines Herrn Issa Remmo auf der Wahlkampfparty der Linken so richtig skandalisiert. Dazu kamen dann noch einige Nachrichten, die dessen Sohn mit einem Bundestagsabgeordneten der Linken ausgetauscht hatte, die zumindest für deutsche Ohren nach sehr großer Nähe klingen (obwohl das in anderen Ländern nicht ganz so ist). Nicht gerade eine freundliche Handlung, diesen Austausch zu veröffentlichen; ein Widerspruch, der dann doch einigen aufgefallen ist. Auch wenn die Ausreden seitens der Betroffenen bei der Linken, sie hätten nicht gewusst, um wen es sich handelt, auch nicht gerade überzeugend klingen.
Jedenfalls wirkt das Auftauchen dieses älteren Herrn, gewissermaßen des Berliner Don Corleone, ein bisschen zu sehr wie bestellt. Als hätte da jemand einen Plan B aktiviert, der eigentlich für verzichtbar gehalten wurde. Oder als meinte irgendwer, obwohl die Berliner Linke sich doch schon seit Jahren brav einsortiert, wenn auch in extrem woker Geschmacksrichtung, bei den Fragen, auf die es wirklich ankommt, NATO und Russland zum Beispiel, und wie die Grünen auch verlässlicher Partner bei der Aufrechterhaltung der Masseneinwanderung ist. Sie sind halt noch nicht ganz drin im Sumpf und brauchen dringend einen Zügel, damit sie nicht zu viel greifen, wenn sie endlich an die Fressnäpfe kommen.
Nur – wie motiviert jener vermutete, unbekannte Auftraggeber Herrn Remmo, bei dieser Party aufzutauchen? Der ist schließlich Geschäftsmann und macht sowas nicht für lau … Gut, die Berliner Morgenpost veröffentlichte mittlerweile einen Artikel, nachdem auch ein Berliner CDU-Abgeordneter schon mit Issa Remmo durchs Berliner Abgeordnetenhaus lief; interessant, weil diese Zeitung eher Richtung CDU einsortiert wird, wir es hier also mit einer internen Abrechnung zu tun haben könnten. Auf jeden Fall dürfte Herr Remmo seine politischen Kontakte eher gut streuen, rein geschäftsmäßig, versteht sich. Daran ändert auch eine Frau Nagel nichts.
Allerdings: Die heutige Razzia ist da durchaus interessant. Denn sie richtete sich nicht, wie man zuerst vermuten möchte, gegen die Geschäfte des Herrn Remmo, sondern vielmehr gegen die seiner unmittelbaren Konkurrenz. Genannt "türkische Daltons". Ihnen wird ein Großteil der Angriffe auf türkische, kurdische und libanesische Geschäfte in Berlin in jüngerer Zeit zugeschrieben. Sie versuchen, in bereits vergebenes Gebiet einzudringen, und das läuft üblicherweise sehr gewaltsam ab. Eine jüngere Gang, ein etwas anderes Geschäftskonzept, eine andere Art der Rekrutierung. Die drei jungen Männer, die aktuell in Berlin vor Gericht stehen, weil sie einen Brandanschlag auf ein Geschäft ausgeführt hatten, wurden nur für diesen Job rekrutiert. Keine dauerhaften Bindungen, Fußvolk, das inkognito rekrutiert wird – das ist ein völlig anderer Ansatz als eine Struktur, die auf familiären Loyalitäten aufbaut.
Die Waffenhändler, bei denen heute die Razzien stattfanden, sollen ebenfalls zu dieser Truppe gehören. Aus Sicht der Polizei ist das logisch – die neue und aggressive Truppe macht den meisten Ärger. Während lang etablierte kriminelle Strukturen irgendwann aus Eigeninteresse dazu übergehen, Konflikte zu verhandeln statt auf der Straße auszutragen, und spätestens in der dritten Generation meist das legale Geschäft langsam gegenüber dem illegalen überwiegt, sind die Neuankömmlinge anfangs nicht einmal als Gesprächspartner akzeptiert. Also jede derartige Gruppe hat eine gewisse Entwicklung, und am Anfang dieser Entwicklung ist die rohe Gewalt weit häufiger als am Ende.
Wenn das an Mafia-Filme erinnert, stimmt das durchaus. Immerhin, die Grundlage des Buches "Der Pate" waren Protokolle eines Untersuchungsausschusses des US-Senats von 1963, in dem viele Details aus der Mafia zur Sprache kamen. Und bestimmte Muster wiederholen sich, weil es eben auch in der Schattenwirtschaft bestimmte objektive Bedingungen gibt. Wie eben Fragen von Territorialität. Wobei die erwähnten "türkischen Daltons" vermutlich nur das Vorspiel sind, denn ein stärkeres Auftauchen der ukrainischen Mafia dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Und die wird dann ihre Waffen direkt über die Polen-Route aus der Ukraine beziehen, und das sind dann keine halbautomatischen mehr, wie bei den aktuellen Durchsuchungen, sondern automatische.
Jedenfalls lässt sich aus der Tatsache, dass die Waffenhändler ein nicht ganz unwichtiger Teil der besagten "türkischen Daltons" sein dürften, wenn diese Zuordnungen so stimmen, dann einfach ableiten, wie Issa Remmo motiviert werden konnte, den Linken dieses Ei zu legen – schließlich waren diese Durchsuchungen ein Schlag gegen seine aktuell aggressivste Konkurrenz, für den man durchaus ein wenig Dankbarkeit einfordern kann.
Unvorstellbar? In vielen Städten ja. Vielleicht auch nur, weil solche Dinge leiser ablaufen. In Berlin? Da wird, hat es den Anschein, völlig zügellos intrigiert. Und irgendjemand ist jetzt rundum zufrieden. Weil es ja tatsächlich für die Berliner Bürger und nicht nur für Herrn Remmo vorteilhaft ist, diese aggressiven Jungspunde von der Straße zu fischen, und weil den Berliner Linken gezeigt worden ist, dass sie trotz aller Bereitschaft zu Verrenkungen noch lange nicht zu den großen Fischen gehören.
Nun, für die Bürger Berlins dürfte jedes Ergebnis der anstehenden Koalitionsverhandlungen objektiv furchtbar werden, aber sie sind ja Vernachlässigung gewohnt. Allerdings, wenn man Krach und Remmo zusammenzählt, dürfte der Unterhaltungswert gewaltig steigen.
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