Von Hans-Ueli Läppli
Jan Böhmermann spielt einen AfD-Politiker auf einem Moped. Ein Lastwagen überrollt ihn, fährt zurück und überrollt ihn ein zweites Mal. Im ZDF-Studio wird gelacht.
Ein linkspolitischer Satiriker inszeniert die Tötung eines politischen Gegners, produziert für einen Sender, der sich aus den Gebühren von Millionen Zuschauern finanziert. Das ZDF macht daraus Unterhaltung auf Kosten seiner Gebührenzahler und verkauft die Szene unter dem Etikett Satire.
Der Clip wurde am 2. Oktober veröffentlicht, fünf Tage vor dem tödlichen Mopedunfall in Brandenburg, bei dem vier Jugendliche ums Leben kamen.
Zwischen den beiden Ereignissen besteht kein Zusammenhang. Der zeitliche Abstand macht die Szene nicht zur Reaktion auf die Tragödie. Die Frage nach dem Umgang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit inszenierter Gewalt stellt sich trotzdem. Satire darf provozieren, übertreiben und auch geschmacklos sein. Doch wenn der Tod eines politischen Gegners zur Pointe wird, zeigt sich, wie weit die Grenzen des Humors ausgereizt werden. Bei einem AfD-Politiker unter den Rädern eines Lastwagens gehört das Gelächter offenbar zum Programm.
Der Vergleich mit Uwe Steimle drängt sich auf. Seine Äußerung "Wo ist Stauffenberg, wenn man ihn braucht" führte zu staatsanwaltlichen Ermittlungen. Ermittlungen sind kein Schuldspruch, und die beiden Äußerungen sind juristisch nicht automatisch gleich zu bewerten. Wortlaut, Kontext und konkrete Umstände zählen. Trotzdem bleibt der Eindruck unterschiedlicher Maßstäbe, wenn die Gewaltfantasie gegen einen politischen Gegner im einen Fall als Satire präsentiert wird und eine andere Äußerung Ermittlungen nach sich zieht.
Gute Nachricht für die Zuschauer: Jan Böhmermann hört auf – Gott sei Dank
Am 18. Dezember läuft die letzte Ausgabe des "ZDF Magazin Royale". Nach Jahren voller politischer Belehrungen, Provokationen und juristischer Auseinandersetzungen ist damit zumindest dieses Kapitel vorbei. Ganz verschwinden wird Böhmermann allerdings nicht. Das ZDF hält sich die Tür für ein neues Format mit ihm offen.
Böhmermann kann sich auf die Kunst- und Satirefreiheit berufen. Sie schützt auch Provokationen, die vielen missfallen. Doch sie ist kein Freibrief für einen gebührenfinanzierten Sender, der politische Gewaltfantasien als Unterhaltung präsentiert. Wenn sich Böhmermann als AfD-Politiker von einem Lastwagen überrollen lässt und im Studio gelacht wird, darf das Publikum diese Geschmacklosigkeit kritisieren.
Das ZDF muss nicht jeden Witz entschärfen. Aber Millionen Gebührenzahler finanzieren das Programm, unabhängig davon, ob sie Böhmermanns Humor teilen. Sie haben jedes Recht, von Ihrem Sender mehr zu erwarten als die Inszenierung eines getöteten politischen Gegners. Satirefreiheit schützt den Clip vor pauschaler Zensur. Sie schützt weder Böhmermann noch das ZDF vor Kritik.
Die letzte Sendung im Dezember ist deshalb eine gute Gelegenheit für einen Neuanfang. Nur sollte das ZDF nicht einfach das Etikett wechseln und mit Böhmermann weitermachen, als wäre nichts gewesen. Ein neues Format wäre erst dann ein echter Neuanfang, wenn auch der Sender seine eigene Rolle und seine Maßstäbe hinterfragt.
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