Von Olga Samofalowa
Die Erwartung von Lieferungen russischen Dieselkraftstoffs in die USA führte bereits am 12. Oktober zu einem Rückgang der weltweiten Ölpreise. Sogar die Gaspreise in den USA gingen zurück. Die Märkte hoffen auf eine Entschärfung der weltweiten Kraftstoffknappheit dank des Diesel-Deals zwischen Russland und den USA.
US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag, er habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vereinbart, dass Russland "unverzüglich mehr als 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff auf den US-amerikanischen und internationalen Markt liefern wird, weitere 500.000 Tonnen im Laufe des Novembers und unmittelbar danach eine weitere Million Tonnen". Anschließend werde Russland weitere drei Millionen Tonnen Dieselkraftstoff exportieren.
Das Amt zur Kontrolle von Auslandsvermögen (Office of Foreign Assets Control, OFAC) des US-Finanzministeriums erteilte auf Anweisung Trumps eine befristete Generallizenz, die Lieferungen von russischem Diesel auf den Weltmarkt bis zum 7. April 2027 erlaubt.
Der Vorteil für die USA liegt auf der Hand. Auch wenn der Deal letztlich nicht umgesetzt wird, erreichte Trump bereits das, was er wollte: Die Ölpreise gingen zurück. Das bedeutet, dass auch die Kraftstoffpreise auf dem US-Markt sinken werden – genau das, was er im Vorfeld der US-Wahlen im November brauchte.
Doch welche Vorteile wird Russland haben, wenn dieser Diesel-Deal tatsächlich umgesetzt wird?
Igor Juschkow, leitender Analyst des Fonds für nationale Energiesicherheit (FNES) und Oberdozent am Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation, sagt:
"Erstens bedeutet dies eine Lockerung des Sanktionsregimes gegenüber Russland. Zweitens erhöht es den Druck auf die Ukraine und sollte im Idealfall zur Beendigung des Ukraine-Konflikts beitragen. Drittens wird dies für China einen gewissen Anreiz schaffen, den Abschluss von Energieabkommen mit Russland zu beschleunigen. Ich meine damit die Unterzeichnung eines kommerziellen Vertrags über die Gaspipeline 'Kraft Sibiriens 2'. Und der vierte Vorteil besteht darin, dass dieser Diesel-Deal eine zusätzliche Spaltung innerhalb Europas bewirkt."
Was die Sanktionen betrifft, so waren die USA die ersten, die nach Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine im April 2022 die strengsten Sanktionen verhängten – ein Verbot der Einfuhr russischer Energieträger jeglicher Art. Und nun kündigte Trump die Aussetzung der Sanktionen im Dieselsegment an.
Der FNES-Experte erläutert:
"Russland wird versuchen, daraus das Maximum herauszuholen und eine Klarstellung zu diesen Sanktionen zu verlangen. Im Idealfall wäre eine Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölkonzerne wünschenswert. Denn es stellt sich die Frage, wie Russland Dieselkraftstoff in die USA verkaufen soll, wenn die vier größten russischen Unternehmen – Rosneft, Lukoil, Surgutneftegas und Gazprom Neft –, die diesen Kraftstoff produzieren, auf der SDN-Liste stehen. Es wäre seltsam, wenn die unter Sanktionen stehenden russischen Unternehmen eine Vielzahl von Zwischenhändlern einschalten müssten, damit US-Käufer nicht erkennen, woher dieser Dieselkraftstoff stammt. Doch bislang sieht es genau so aus. Deshalb müsste zumindest ein Unternehmen von den Sanktionen ausgenommen werden, besser noch alle. Dies würde es uns ermöglichen, unsere Kosten bei Lieferungen auf den globalen Markt erheblich zu senken. Am vorteilhaftesten wäre für uns, wenn klargestellt würde, dass man mit diesen Unternehmen Geschäfte machen darf."
Was die Ukraine betrifft, so könnten die anhaltenden Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien nach Beginn der Lieferungen russischen Dieselkraftstoffs in die USA bereits als Angriff auf diesen Diesel-Deal betrachtet werden. Das Gleiche gilt für potenzielle Angriffe auf Tanker mit unserem Diesel für den US-Markt im Schwarzen Meer.
Juschkow sagt:
"Im Idealfall wäre es für Russland von Vorteil, wenn die USA dies zum Anlass nehmen würden, die Waffenlieferungen und die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen an die Ukraine einzustellen. Darauf sollte man sich jedoch nicht verlassen, denn die USA betrachten diesen Konflikt als eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Unter Trump haben die USA darauf verzichtet, Waffen kostenlos zu liefern."
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Diesel-Deal China zusätzlich dazu motiviert, das seit Langem erwartete Abkommen mit Russland zu unterzeichnen. Der Experte erläutert:
"China verfolgt die Beziehungen zwischen Russland und den USA sehr aufmerksam, und die Aussicht auf eine Annäherung zwischen uns und den USA, auf gemeinsame Projekte und Ähnliches bereitet ihm Sorgen. China zögert die Unterzeichnung des Abkommens über die Pipeline 'Kraft Sibiriens 2' immer wieder hinaus, in der Hoffnung, dass Russland angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage und des anhaltenden Drucks seitens des Westens nachgiebiger wird. Nun entwickelt sich die Situation jedoch in die entgegengesetzte Richtung – in den Beziehungen zu den USA zeichnet sich eine gewisse Entspannung ab. Diese Entwicklung könnte China dazu bewegen, das Abkommen über 'Kraft Sibiriens 2' zu unterzeichnen."
Und schließlich spaltete der Diesel-Deal Europa in zwei Lager. Jetzt werden stärker denn je Stimmen laut, die fragen: Warum sollen die Europäer unter hohen Gas- und Kraftstoffpreisen leiden, weil sie auf russische Lieferungen verzichten? Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico erklärte, dass aufgrund der Politik der EU-Kommission die europäischen Länder Gefahr liefen, mit Engpässen und hohen Preisen konfrontiert zu werden und später womöglich ganz ohne Kraftstoff dazustehen oder letztlich teuren US-Diesel kaufen zu müssen, der de facto russischen Ursprungs sei.
Juschkow erklärt:
"Einige Politiker sagen bereits jetzt, dass auch sie an sich selbst denken und wirtschaftliche Probleme so lösen müssten wie die US-Amerikaner: Wenn es für sie von Vorteil ist, mit Russland Dieselhandel zu betreiben, dann tun sie es. Diejenigen, die in Europa dazu aufgerufen haben, zur Vernunft zurückzukehren und das zu tun, was in erster Linie dem eigenen Land nützt, können ihren Wählern nun das Beispiel der USA vor Augen führen."
Sollte der Deal scheitern und es nicht zu tatsächlichen Lieferungen in die USA kommen, wäre das für Russland im Prinzip kein Problem. Der Experte kommt zu dem Schluss:
"Natürlich hätte Russland in jedem Fall mit dem Export von Dieselkraftstoff begonnen, auch ohne diesen Deal mit den USA. Wir hätten den Diesel einfach in andere Länder geliefert – in die Türkei, nach Brasilien, Indien und in die Staaten des Nahen Ostens. Diesen Export zusätzlich mit den politischen Verhandlungen mit den USA zu verknüpfen und daraus gewisse politische Vorteile zu ziehen, ist natürlich vorteilhafter."
Der USA-Experte und Analyst der Nationalen Forschungsuniversität "Hochschule für Wirtschaft" (HSE) Jegor Toropow sagt:
"Die unsichtbare Hand des freien Marktes umgeht bereits jetzt erfolgreich bürokratische Sanktionen, und nun beginnt die tatsächliche Lockerung der Sanktionsbeschränkungen gerade im Energiesektor, was sowohl den russischen Unternehmen als auch den US-Verbrauchern zugutekommen wird. Darüber hinaus wird dies aus imagepolitischer Sicht einen vergleichsweise günstigen Boden für eine künftige umfassende Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA schaffen."
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 13. Oktober 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung "Wsgljad".
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