Anti-Tagi: Die Gesichter des Zwangsgebühren-Fernsehens, die Deutschland am meisten aufregen

Von Jan Böhmermann bis Dunja Hayali. Einige ARD- und ZDF-Persönlichkeiten stehen immer wieder im Zentrum heftiger Kritik. Es geht um politische Schlagseite, fragwürdige Moderationen und die Frage, wie viel Meinung sich ein gebührenfinanzierter Sender leisten darf.

Von Hans-Ueli Läppli

Sie sollen informieren, einordnen und unterhalten. Doch bei vielen, wenn nicht den meisten Gesichtern von ARD und ZDF überwiegt inzwischen die Kritik.

Auf X, in Kommentarspalten und auf alternativen Medienplattformen entlädt sich regelmäßig der Ärger über Moderatoren, Satiriker und Journalisten, die für viele Zuschauer zum Symbol eines Rundfunks geworden sind, der seine eigene Rolle nur ungern hinterfragt.

Der Ärger geht über einzelne Patzer hinaus. Kritiker werfen ARD und ZDF vor, politische Lager mit unterschiedlichen Maßstäben zu messen, manche Gäste zu schonen und andere vor laufender Kamera vorzuführen. Bei Fehlern der eigenen Mitarbeiter, so der Vorwurf, gelten offenbar andere Regeln.

Eine repräsentative Rangliste der unbeliebtesten Fernsehgesichter gibt es nicht. Deshalb erstellen wir unser eigenes Ranking. Einige Namen sorgen in den sozialen Medien regelmäßig für Kritik und hitzige Reaktionen.

Jan Böhmermann: Der Provokateur vom ZDF auf Gebührenzahlerkosten

Jan Böhmermann ist einer der bekanntesten Satiriker des Landes. Mit dem ZDF Magazin Royale nimmt er konservative Politiker, Unternehmer und gesellschaftliche Gruppen ins Visier. Das ZDF verkauft das als Satire und schätzt an ihm die "investigativen Elemente und die scharfen Pointen". 

Doch statt unabhängigen Recherchen liefert Böhmermann oft linkspolitische Kampagnen, bei denen die Pointe bereits feststeht, bevor die Recherche beginnt.

Im ZDF Magazin Royale ließ sich Jan Böhmermann auf einer blauen Simson-Schwalbe mit weißem Helm von einem Lkw überfahren und anschließend nochmals überrollen. Viele sehen darin eine klare Anspielung auf AfD-Politiker Ulrich Siegmund, der im Wahlkampf mit genau diesem Fahrzeug unterwegs war. Siegmund sprach von "Gewaltfantasien niederträchtigster Art", der frühere ZDF-Journalist Peter Welchering von der "Visualisierung einer Gewaltphantasie". Auch FDP-Generalsekretär Martin Hagen nannte die Szene "moralisch völlig enthemmt".

Beim ZDF-Fernsehrat gingen Beschwerden im unteren dreistelligen Bereich ein.

Das ZDF verteidigt den Beitrag als Satire mit "ironischer Mehrdeutigkeit", Böhmermann spricht von einer rechten "Hass-und-Hetzkampagne".

Viele kritisieren den Sketch als menschenverachtend und als gebührenfinanzierte politische Hetze. Der Ärger richtet sich längst nicht mehr nur gegen Böhmermann, sondern auch gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der solche Sendungen mit Zwangsgebühren finanziert.

Dunja Hayali: Wenn ein Fehler das Vertrauen beschädigt

Einen Tag nach dem Attentat auf Charlie Kirk saß Dunja Hayali im heute journal und verteilte in der Hauptnachrichtensendung des ZDF die üblichen Etiketten: "extremer und extrem umstrittener Influencer", "radikal religiöser Verschwörungsanhänger".

Den entscheidenden Satz formulierte sie so, als ginge es um eine notwendige moralische Klarstellung: Das Feiern seines Todes sei mit nichts zu rechtfertigen – "auch nicht mit seinen oftmals abscheulichen, rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen". Was als Verurteilung von Gewalt daherkommen sollte, war in Wahrheit die schnelle, gebührenfinanzierte Abwertung eines frisch Ermordeten.

Kein Zögern, kein Abstand, keine journalistische Zurückhaltung – nur die gewohnte Haltung.

Dunja Hayali erhält den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Der Namensgeber würde sich wohl im Grab umdrehen, wenn er sähe, was unter seinem Namen im gebührenfinanzierten Staatsfunk inzwischen als Qualitätsjournalismus ausgezeichnet wird.

Elmar Theveßen – der Talkshow-König mit den falschen Zitaten

Elmar Theveßen ist Leiter des ZDF-Studios Washington und seit Jahren einer der meistgebuchten Experten im deutschen Fernsehen. Im Jahr 2025 war er mit 30 Talkshow-Auftritten der unangefochtene Spitzenreiter – weit vor allen anderen Journalisten. Gleichzeitig landete er auf Platz 5 der "Journalisten des Jahres". Wer im öffentlich-rechtlichen System bleibt und die richtigen Formate bedient, steigt auf, selbst wenn die Berichterstattung wiederholt in die Kritik gerät.

Besonders belastend wirkte seine Darstellung von Charlie Kirk kurz nach dessen Ermordung. Theveßen behauptete in mehreren ZDF-Formaten – unter anderem bei Markus Lanz, im Auslandsjournal und im Heute-Journal-Podcast –, Kirk habe sich für die Steinigung von Homosexuellen ausgesprochen.

Die Aussage war falsch. Kirk hatte in einer Debatte lediglich auf eine Bibelstelle im Buch Levitikus verwiesen, um selektives Zitieren zu kritisieren. Theveßen räumte den Fehler später ein und entschuldigte sich, doch die Korrektur kam spät und war öffentlich kaum sichtbar. Programmbeschwerden dazu wurden vom ZDF-Fernsehrat abgewiesen.

Theveßen steht damit exemplarisch für ein Muster im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Häufige Präsenz, hohe Sichtbarkeit und eine klare politische Linie schützen vor Konsequenzen. Ob die frühere Entschuldigung zur Kölner Silvesternacht, die Bezeichnung der Freilassung von Gefangenen als "Geiselaustausch" im Nahost-Konflikt oder die Kirk-Falschaussage – dokumentierte Fehler und internationale Kritik, etwa im britischen Telegraph, führten nicht zu spürbaren Folgen. Stattdessen bleibt er einer der prägenden Stimmen des ZDF.

Markus Lanz: Interview oder Tribunal

Markus Lanz lebt von der Konfrontation. Politiker werden unterbrochen, Aussagen seziert und Widersprüche herausgearbeitet. Das kann aufschlussreich sein. Doch genau dieser Stil sorgt für Unmut, wenn Zuschauer den Eindruck gewinnen, dass nicht jeder Gast mit demselben Mass gemessen wird.

Insbesondere Interviews mit AfD-Politikern werden zum Gegenstand hitziger Diskussionen. Die einen halten den konfrontativen Stil für notwendige journalistische Kontrolle. Andere sehen darin eine Form der politischen Vorführung.

Nicht der Ton eines Moderators ist ausschlaggebend, sondern die Frage, ob er seine kritischen Maßstäbe transparent und unabhängig von der politischen Ausrichtung seines Gegenübers anwendet.

Anja Reschke: Wenn die Kollegin zur Zielscheibe wird

Reschke spaltet das Publikum. Was ihre Anhänger als Haltung verstehen, empfinden ihre Kritiker als politische Einseitigkeit.

Der Streit um ihre Äußerung über das Format Klar machte sichtbar, wie schnell eine Auseinandersetzung über journalistische Inhalte in einen Konflikt über die politische Ausrichtung des gesamten Senders münden kann.

Die Formulierung "ein bisschen rechtsextrem" wurde im Zusammenhang mit Ruhs' Sendung kritisiert. Der NDR bedauerte später, dass der Eindruck entstanden war, das Format werde als rechtsextrem eingestuft.

Wie fair gehen Journalisten mit Kollegen um, die politisch anders denken? Reschkes Äußerung wurde von den einen als Satire verstanden, von anderen als abwertender Seitenhieb gegen eine unbequeme Kollegin.

Julia Ruhs: Eine Journalistin wird zum Streitfall

Julia Ruhs gehört zu den wenigen Journalistinnen, die sich trauen, Themen anzusprechen, um die andere im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lieber einen Bogen machen. Mit dem Format Klar griff sie Probleme rund um Migration und Integration auf, die aus ihrer Sicht im etablierten Fernsehbetrieb zu kurz kommen. Damit eckte sie an und löste heftige Reaktionen aus.

Als der NDR für weitere Ausgaben eine andere Moderatorin einsetzte, wurde Ruhs zum Symbol für den Streit um die Meinungsvielfalt bei ARD und ZDF. Während der Sender auf unterschiedliche Perspektiven verwies, sahen ihre Unterstützer darin ein fatales Signal. Wer unbequeme Fragen stellt und konservative Positionen vertritt, muss im öffentlich-rechtlichen Rundfunk offenbar mit Gegenwind rechnen.

Ruhs hat damit einen Konflikt sichtbar gemacht, der weit über ihre eigene Sendung hinausgeht. Ein Rundfunk, der von Millionen Haushalten finanziert wird, sollte auch Stimmen Raum geben, die nicht dem politischen Mainstream entsprechen.

Georg Restle: Journalismus nach Windrichtung

Georg Restle und das ARD-Magazin Monitor stehen für eine Form des politischen Journalismus, die Machtverhältnisse und gesellschaftliche Konflikte ausdrücklich einordnet. Unterstützer schätzen die klare Haltung. Doch die politische Wertung tritt mitunter so stark in den Vordergrund, dass die Trennung zwischen Recherche und Kommentar verschwimmt.

Georg Restles Journalismus wirkt, als richte er sich nach der politischen Windrichtung. Was ins eigene Weltbild passt, wird scharf angeprangert, was nicht dazu passt, erhält deutlich weniger Aufmerksamkeit.

Eine solche Berichterstattung verdient den Namen Journalismus nicht. Wer journalistische Glaubwürdigkeit beansprucht, muss alle politischen Lager nach denselben Maßstäben beurteilen, statt Fakten und Empörung je nach politischer Ausrichtung unterschiedlich zu gewichten.

Jessy Wellmer: Die Nachrichtenmoderatorin im politischen Gegenwind

Jessy Wellmer gehört zu den Gesichtern der Tagesthemen. Für Aufsehen sorgte ihre Frage, ob eine Aufklärung der Nord-Stream-Sprengung als Überreaktion gewertet werden könnte, weil die AfD politisch davon profitieren würde. Damit geriet eine grundlegende journalistische Pflicht aus dem Blick.

Die Sprengung einer zentralen Energieinfrastruktur muss unabhängig davon aufgeklärt werden, welcher Partei die Ergebnisse politisch nützen könnten. Wer die mögliche Wirkung auf die AfD zum Maßstab macht, verschiebt den Fokus von der Aufklärung eines schweren Anschlags auf dessen parteipolitische Folgen.

Genau hier setzt die Kritik an Wellmers Moderation an. Bei einem Angriff auf kritische Infrastruktur sollte die Suche nach den Verantwortlichen im Vordergrund stehen, nicht die Sorge, welche politischen Kräfte daraus Kapital schlagen könnten. Wenn solche Überlegungen die Fragestellung prägen, entsteht der Eindruck eines Journalismus, der Ereignisse nach ihrer politischen Verwertbarkeit beurteilt, statt sie unabhängig aufzuklären.

Louis Klamroth: Die Macht der Gästeliste

Louis Klamroth steht mit Hart aber fair für einen Talkshow-Journalismus, bei dem die Auswahl der Gäste und die Gewichtung der Themen den politischen Rahmen der Sendung vorgeben. Statt gesellschaftliche und wirtschaftliche Konflikte in ihrer ganzen Breite zu beleuchten, verengt sich die Diskussion häufig auf moralische Bewertungen und parteipolitische Loyalitätstests.

Gerade bei Israel und Gaza gerät dadurch das eigentliche Geschehen aus dem Blick, während politische Bekenntnisse und die Grenzen zulässiger Kritik zum Hauptthema werden.

Damit wird politische Aufklärung durch eine Inszenierung ersetzt, in der bereits die Auswahl der Themen und Gesprächspartner den Verlauf prägt. Wer kontroverse Positionen einlädt, muss ihnen auch Raum geben, ihre Argumente auszuführen, statt sie in vorgefertigte Deutungsmuster zu pressen. Ein öffentlich-rechtlicher Moderator sollte unterschiedliche Positionen kritisch prüfen und dieselben Maßstäbe auf alle Seiten anwenden.

Wenn die Dramaturgie wichtiger wird als die offene Prüfung der Argumente, verliert eine politische Talkshow ihren journalistischen Anspruch.

Sarah Bosetti: Kabarett zwischen Pointe und Belehrung

Bosetti verbindet politische Satire mit gesellschaftlichen Kommentaren. Ihre Anhänger schätzen ihren pointierten Stil, viele andere empfinden ihre Beiträge als belehrend, herablassend und politisch vorhersehbar.

Statt Widersprüche offenzulegen, wirkt ihre Satire häufig wie eine moralische Lektion, bei der bereits feststeht, wer recht hat und wer als rückständig oder verachtenswert gelten soll.

Zuschauer werfen ihr Doppelmoral, Spaltung und eine ausgeprägte Selbstgerechtigkeit vor. Bezeichnungen wie "Blinddarm-Bosetti" stehen für die Wut über eine Satirikerin, die aus Sicht ihrer Kritiker weniger mit Selbstironie als mit moralischer Überheblichkeit auffällt.

Das Problem ist nicht, dass eine gebührenfinanzierte Kabarettistin politische Positionen vertritt. Es ist der Eindruck, dass sie ihre eigene Haltung zum Maßstab erhebt und Andersdenkende von oben herab belehrt. Satire sollte Macht und Selbstgewissheit treffen, auch die eigene. Wenn sie stattdessen politische Gewissheiten bestätigt und das Publikum in moralisch Gute und vermeintlich Schlechte einteilt, wird aus Spott eine Predigt.

Böhmermann, Ruhs, Hayali, Theveßen, Lanz, Reschke, Restle, Wellmer, Klamroth und Bosetti stehen für unterschiedliche Bereiche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie sind keine homogene Gruppe, und die gegen sie erhobenen Vorwürfe sind keineswegs alle gleich gut belegt.

Doch die wiederkehrenden Konflikte verweisen auf ein gemeinsames Problem. Ein Sender, der einen gesetzlichen Auftrag zur unabhängigen und vielfältigen Information hat, muss nicht nur sorgfältig arbeiten. Er muss auch nachvollziehbar erklären, wie er mit Fehlern, Kritik und unterschiedlichen politischen Perspektiven umgeht.

Journalistische Glaubwürdigkeit steht und fällt mit dem Vertrauen des Publikums. Dieses gewinnt man nicht durch glatte Auftritte und möglichst wenig Widerspruch, sondern durch nachvollziehbare Recherche, faire Interviews, offene Fehlerkorrekturen und einen kritischen Blick auf die eigene Arbeit.

Ein Rundfunk, der Milliarden aus den Haushalten der Bürger erhält, muss sich der Kritik stellen. Wer Einwände reflexartig als parteipolitisch motiviert abtut, macht es sich zu einfach. Die Pflicht zur Selbstkritik endet nicht an der Studiotür und gilt auch für jene, die täglich vor der Kamera stehen.

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