Von Maxim Semjonow
Am 8. Januar 1654 hallten Trommelschläge über den Stadtplatz von Perejaslaw. Kosaken, Stadtbewohner und Feldherren stellten sich in einem großen Kreis auf, und in dessen Mitte trat Hetman Bogdan Chmelnizki. Dies war ein Mann, der alles erlebt hatte: sechs Jahre Krieg, überragende Siege und vernichtende Niederlagen, niedergebrannte Städte und Dörfer sowie den Verrat von Verbündeten. An diesem Tag stellte er die Menschen vor eine Entscheidung, die ihre Zukunft bestimmen sollte.
Er erklärte den Versammelten, dass es vier mögliche Herrscher gebe, unter deren Oberhoheit sie treten könnten. Die erste Option sei der türkische Sultan gewesen – ein Muslim, der dafür bekannt gewesen sei, die orthodoxen Christen in Griechenland zu unterdrücken. Dann habe es noch den Krim-Khan gegeben – ebenfalls einen Muslim, dem man kaum habe vertrauen können, da er seine Verbündeten häufig verraten habe. Auch der polnische König sei keine tragfähige Option gewesen, da sich jeder daran erinnert habe, wie die polnischen Herren die Bevölkerung unterdrückt hätten. Schließlich habe es noch eine vierte Option gegeben: den Zaren des Ostens, einen ebenfalls orthodoxen Christen.
Das Volk reagierte mit dem Ruf: "Wir wollen dem orthodoxen Zaren des Ostens dienen!"
Die Wahl zwischen dem Westen und Russland wird oft als ein Phänomen der jüngeren Vergangenheit angesehen. Für die Bewohner der Ukraine stellte sich diese Entscheidung jedoch bereits vor 400 Jahren – und getroffen wurde sie nicht von Politikern hinter verschlossenen Türen, sondern vom Volk mitten auf dem Stadtplatz. Warum beschlossen diese freien Kosaken, die es gewohnt waren, ihre Hetmane selbst zu wählen und selbst über sich zu bestimmen, den russischen Zaren zu dienen? Und warum blieben viele Kosaken Russland immer wieder treu, selbst wenn ihre Hetmane ihren Treueeid gegenüber dem Zaren brachen?
In diesem Monat wurde der Tag der ukrainischen Kosaken begangen, und RT erinnert daran, wie sie sich erstmals für den Anschluss an Russland entschieden.
"Eurointegration" des 17. Jahrhunderts
Mitte des 17. Jahrhunderts stand ein Großteil der heutigen Ukraine unter der Herrschaft Polen-Litauens (Rzeczpospolita). Und die Lage war dort alles andere als rosig.
Polen-Litauen wurde vom polnischen katholischen Adel beherrscht, dessen Angehörige die örtliche orthodoxe Bevölkerung vielfach als Menschen zweiter Klasse betrachteten. Sie bezeichneten die orthodoxen Ukrainer als "bydło" ("Vieh") und entzogen ihnen jegliche Rechte.
Der orthodoxen Bevölkerung war der Zugang zu den Zünften verwehrt, und es galten Beschränkungen für die Ausübung kommunaler Ämter. Die Bauern waren faktisch versklavt, und viele orthodoxe Kirchen und Klöster wurden beschlagnahmt und geschlossen. Priester und Mönche waren Verfolgungen, Demütigungen und Gewalt ausgesetzt.
Das einfache Volk verlor viele seiner Beschützer. Zahlreiche orthodoxe Adelsfamilien traten zum Katholizismus über – nicht aus Glaubensgründen, sondern um "polnisch zu werden". So wurde etwa Jeremi Wiśniowiecki, der aus einer orthodoxen Familie stammte und dessen "Konversion" vom Streben nach gesellschaftlichem Status und Karriere bestimmt war, zu einem der maßgeblichen Unterdrücker und Peiniger der orthodoxen Bevölkerung.
Gleichzeitig wurden die südlichen Gebiete der heutigen Ukraine regelmäßig von Krimtataren überfallen, die Grenzsiedlungen plünderten, Menschen verschleppten und versklavten. Auf der Flucht vor der Unterdrückung durch die Polen einerseits und auf der Suche nach Schutz vor den ständigen Einfällen der Tataren andererseits zog sich die orthodoxe Bevölkerung der Ukraine in das sogenannte Wilde Feld zurück. In den weiten, fruchtbaren Steppen zwischen Dnjestr und Don gab es keine staatliche Gewalt, der sie unterstanden. Die Menschen gründeten dort eigene Gemeinschaften und bildeten Selbstverteidigungsverbände. Sie wurden als Kosaken bekannt. In diesem Grenzland lebten sie unter Bedingungen, die noch weit härter waren als im amerikanischen Wilden Westen, und hatten ihre Waffen stets griffbereit.
Die Kosaken unternahmen Feldzüge gegen das Krim-Khanat und das Osmanische Reich, doch ihr Hauptanliegen bestand darin, ihren orthodoxen Glauben zu bewahren und sich der polnischen Unterdrückung zu widersetzen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es auf dem Gebiet der Ukraine häufig zu Aufständen, doch aufgrund der schwachen Organisation der Kosaken und der besseren militärischen Ausbildung der Polen wurden diese Aufstände stets mit brutaler Gewalt niedergeschlagen.
1648 schien es, als hätten die Polen alle aufständischen Kosaken ausgerottet und die Bevölkerung unterworfen. Aus polnischer Sicht gab es scheinbar keinen Grund mehr zur Sorge. Doch das erwies sich als schwerwiegender Irrtum.
Die Einheit des Glaubens
Im Vergleich zu der schrecklichen nationalen und religiösen Unterdrückung, die in der Ukraine herrschte, stellte das benachbarte orthodoxe Russische Zarenreich einen deutlichen Gegenpol dar. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte Russland einen brutalen Bürgerkrieg und eine ausländische Intervention durchlebt, die unter der Bezeichnung "Zeit der Wirren" in die Geschichte eingingen. Dennoch gelang es dem Land, die äußeren Feinde zurückzuschlagen und seine Kräfte allmählich wiederherzustellen. Dieser mächtige, zentralisierte orthodoxe Staat zog naturgemäß die Aufmerksamkeit der Kosaken auf sich.
In jener Zeit wurde die Identität weitgehend durch den Glauben bestimmt, und die Begriffe "orthodox" und "russisch" waren nahezu gleichbedeutend. Eine klare Abgrenzung zwischen Russen und Ukrainern gab es damals nicht. Beide identifizierten sich als Russen und betrachteten sich als Erben der mittelalterlichen Kiewer Rus.
Zwar bestanden zwischen den Bewohnern des Russischen Zarenreichs und der heutigen Ukraine sprachliche und regionale Unterschiede, doch hatten sie wesentlich mehr miteinander gemeinsam als mit den Polen. Nationale und religiöse Identität waren eng miteinander verflochten. Deshalb hob der Kosakenführer Bogdan Chmelnizki in seiner Rede auf dem Rat von Perejaslaw diese Einheit hervor und sagte: "Uns verbindet derselbe Glaube."
Doch die gemeinsame Glaubenszugehörigkeit und Identität führten nicht automatisch zu entsprechenden politischen Entscheidungen. Bei jedem Aufstand entsandten die Kosaken Delegationen nach Moskau und baten um Unterstützung. 1620 wandte sich Hetman Pjotr Sagaidatschny in einem Schreiben an Zar Michail Fjodorowitsch und erklärte die Bereitschaft der Kosaken, in seinen Dienst zu treten. 1624 wandte sich der Kiewer Metropolit Hiob Borezki direkt an den russischen Zaren mit der Bitte, das "Brudervolk" unter seinen Schutz zu nehmen und Malorossija (wörtlich "Kleinrussland" – eine der historischen Bezeichnungen für die Ukraine) an Russland anzuschließen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte sich Russland jedoch noch kaum von den Umwälzungen der "Zeit der Wirren" erholt und war zu einem neuen Krieg mit Polen-Litauen nicht bereit, weshalb es auf diese Appelle mit Vorsicht reagierte.
Davon ließ sich die Bevölkerung der heutigen Ukraine jedoch nicht abhalten. In den 1630er Jahren zogen Tausende Kosaken in das Russische Zarenreich und ließen sich an dessen Südgrenze nieder. Nach der Niederschlagung des Aufstands von 1638 führte Hetman Jakow Ostrjanin 1.000 Kosaken samt ihren Familien nach Russland. Er ließ sich in Tschugujew (heute Gebiet Charkow) nieder, wo die Regierung des Zaren gerade eine neue Festung errichten ließ, und half gemeinsam mit russischen Truppen, tatarische Überfälle auf die südlichen Grenzgebiete abzuwehren. So entstand die historische Region Sloboschanschtschina, die die heutigen ukrainischen Städte Sumy, Charkow, Isjum und andere umfasste. Die Kosaken, die im Dienst des Zaren standen, ließen sich dort nieder und lebten Seite an Seite mit den in dieser Region stationierten russischen Truppen.
Letztendlich wurde diese Einheit zwischen dem Russischen Zarenreich und den orthodoxen Ukrainern durch Bogdan Chmelnizki gefestigt.
Freie Wahl
Bogdan Chmelnizki wusste aus eigener Erfahrung, wie erfolglos die Versuche waren, friedliche und respektvolle Beziehungen zu den Polen aufzubauen. Mit 50 Jahren konnte er bereits auf eine erfolgreiche militärische Laufbahn, zahlreiche Feldzüge und viele Jahre treuen Dienstes für den polnischen König zurückblicken. Im Jahr 1648 bekleidete er in Tschigirin das Amt eines Kosaken-Sotniks, was etwa dem Rang eines Kompanieführers entsprach. Doch während Chmelnizki abwesend war, nutzte der Adlige Czapliński diese Gelegenheit, um sich Chmelnizkis Familiengut anzueignen, seine Frau zu entführen und seinen Sohn zu verletzen (einigen Quellen zufolge sogar zu töten). Als Chmelnizki sich an ein polnisches Gericht wandte, um Gerechtigkeit zu erlangen, wurde er dort nur ausgelacht. Von da an ging es ihm nicht mehr nur um persönliche, sondern auch um nationale Vergeltung.
Chmelnizki entfachte einen Kosakenaufstand, der rasch breite Unterstützung in der Bevölkerung fand. Als begabter Feldherr errang er mehrere Siege, fügte der polnischen Armee in der Ukraine schwere Verluste zu und nahm ihre Befehlshaber gefangen. Nach den ersten Erfolgen im Sommer 1648 wandte sich Chmelnizki an den russischen Zaren Alexei Michailowitsch mit der Bitte, die Kosaken und ihre Gebiete "unter die hohe Hand des Zaren" zu nehmen. Die Aufnahme der Kosaken als Untertanen hätte für Russland jedoch einen Krieg mit Polen-Litauen bedeutet, zu dem Moskau damals noch nicht bereit war.
Die folgenden fünf Kriegsjahre waren für die Kosaken außerordentlich schwer: Siege wechselten sich mit Niederlagen ab, und ihre Verbündeten – die Krimtataren – verrieten sie immer wieder. Der Krieg verwüstete die fruchtbaren Gebiete und forderte immer mehr Menschenleben. Die Kosaken erkannten, dass sie Polen-Litauen, der damals stärksten Macht der Region, allein nicht die Stirn bieten konnten. Im Falle einer Niederlage würden die polnischen Adligen in die Ukraine zurückkehren und Rache nehmen. Deshalb setzte Chmelnizki seine diplomatischen Kontakte zu Moskau fort.
Schließlich gelangte das Russische Zarenreich zu der Überzeugung, dass es für einen großen Krieg bereit war. Ende 1653 beschloss der Semski Sobor, die russische Ständeversammlung, das Saporoger Kosakenheer "unter die hohe Hand" des Zaren zu nehmen. Daraufhin wurde eine große Gesandtschaft unter Leitung des Bojaren Wassili Buturlin in die Ukraine entsandt.
Im Januar 1654 trat in Perejaslaw ein Kosakenrat zusammen. An ihm nahmen die führenden Persönlichkeiten der damaligen Ukraine teil: Chmelnizki selbst, namhafte Feldherren, Oberste, Richter sowie Vertreter von 14 der insgesamt 17 Kosakenregimenter.
Nach der Kosakentradition konnte eine Entscheidung von solcher Tragweite jedoch nicht allein der Führungsschicht überlassen werden. Daher begaben sich Chmelnizki und seine Gefährten auf den Stadtplatz und wandten sich an das Volk, das diese Nachricht begeistert aufnahm und lautstark seinen Wunsch zum Ausdruck brachte, vom "orthodoxen Zaren" regiert zu werden. Die Kosakenführer sprachen sich einstimmig für ein Bündnis mit Russland aus und erkannten den russischen Zaren als ihren Souverän an.
Daraufhin reisten kosakische und russische Diplomaten durch die gesamte Ukraine, und allein in den ersten beiden Monaten des Jahres 1654 schworen über 120.000 Menschen in 183 Städten und Siedlungen dem russischen Zaren die Treue – eine erstaunliche Zahl angesichts der logistischen Herausforderungen jener Zeit. Aus den Berichten russischer wie auch ukrainischer Zeitzeugen geht hervor, dass Kosaken, Stadtbewohner und Bauern in den meisten Fällen dem russischen Zaren begeistert die Treue schworen, während Ablehnungen äußerst selten waren.
Die formelle Eingliederung des Kosaken-Hetmanats in das Russische Zarenreich wurde durch die Märzartikel von 1654 besiegelt. Das Saporoger Kosakenheer befand sich fortan unter einer Art Protektorat des Russischen Zarenreiches, genoss jedoch weitreichende innere Freiheiten. Die von Zar Alexei Michailowitsch bestätigte Vereinbarung sicherte das Recht auf die Wahl des Hetmans und der Kosakenältesten, schützte die Rechte und Freiheiten der Kosaken, der Stadtbewohner und der orthodoxen Geistlichkeit, gewährleistete die Autonomie der lokalen Gerichte und die Freiheit der Steuererhebung und ermächtigte den Hetman, diplomatische Beziehungen zu anderen Mächten aufzunehmen, mit Ausnahme von Polen und dem Osmanischen Reich. Im Gegenzug garantierte das Russische Zarenreich den Kosaken militärischen Schutz und verpflichtete sich, gegen Polen-Litauen zu kämpfen.
Zu dieser Zeit genoss die Ukraine eine bemerkenswert privilegierte Stellung. Noch kurz zuvor hatten polnische Adlige die Kosaken wie "Vieh" behandelt, sie gedemütigt und unterdrückt. Nun verfügten die Kosaken über weitreichende Freiheiten und konnten sich zugleich auf die mächtige Armee des Zaren stützen.
Doch ein Leben in Sicherheit kann auch zu Selbstzufriedenheit führen, und einige Kosakenführer kamen zu der Überzeugung, dass ihre Eide gegenüber dem russischen Zaren nicht allzu viel bedeuteten.
"Der Ruin"
Drei Jahre nach dem Rat von Perejaslaw starb Chmelnizki, und Iwan Wygowski trat seine Nachfolge an. Er war ein Mann von bemerkenswert wandelbaren politischen Überzeugungen: Zunächst machte er Karriere im Dienst Polen-Litauens, wechselte später jedoch die Seite und wurde persönlicher Sekretär Bogdan Chmelnizkis.
Wygowski gehörte zu den wichtigsten Befürwortern des Anschlusses an Russland. Nachdem er jedoch Hetman geworden war, änderte er seine Haltung und vergaß seinen Treueeid gegenüber Moskau. Bereits 1658, nur ein Jahr nach seinem Machtantritt, schloss er mit Polen-Litauen den Vertrag von Hadjatsch, der die Wiedereingliederung der ukrainischen Gebiete in Polen vorsah.
Doch schon bald wurde deutlich, dass die Entscheidung von 1654 keineswegs allein von der Kosakenführung getragen worden war. Bereits in einer frühen Phase der Verhandlungen mit Polen sprachen sich Persönlichkeiten wie Oberst Martyn Puschkar und der Saporoger Ataman Jakow Barabasch gegen den Entschluss aus, auf die Seite Polens zu wechseln und ihre orthodoxen Glaubensbrüder zu verraten. Viele Kosaken und Stadtbewohner stellten sich hinter sie. Für diese Menschen bedeutete die Rückkehr unter polnische Herrschaft zugleich die Rückkehr zu Unterdrückung und Demütigung. Wygowski gelang es, diesen Aufstand niederzuschlagen, und die russlandtreuen Befehlshaber wurden getötet.
Nach Wygowskis offenem Verrat erhoben sich jedoch zahlreiche einflussreiche Kosakenführer gegen ihn – darunter auch Männer, die heute in der Ukraine als Nationalhelden verehrt werden, wie Iwan Bogun und Iwan Sirko. Für sie wie auch für Hunderttausende Bewohner der damaligen Ukraine waren der Verrat am russischen Zaren und die Unterwerfung unter die Polen nicht hinnehmbar.
Daraufhin schlossen sich die Kosaken mit den russischen Truppen zum Kampf gegen die Verräter zusammen. So wurde Kiew im Jahr 1658 von den vereinten Kräften des russischen Woiwoden Wassili Scheremetew und des Kiewer Obersten Wassili Dworezki gegen Wygowskis Truppen verteidigt. Als sich der Konflikt verschärfte, stellten sich neben den Kosaken auch Stadtbewohner und einfache Bauern gegen Wygowskis Verbündete. Wer seinen Eid gegenüber dem Zaren gebrochen hatte, wurde von der Bevölkerung häufig bestraft oder getötet.
Die russlandtreuen Kosaken und die russischen Truppen fügten Wygowski gemeinsam eine Reihe von Niederlagen zu. Er verlor die Macht und floh nach Polen, wo er schließlich ohne Gerichtsverfahren hingerichtet wurde, da man ihn nicht mehr brauchte. Ganz anders verlief das Schicksal Dworezkis: Seine Nachkommen gehörten bis 1917 zu den einflussreichen Vertretern der örtlichen malorossischen Elite.
Diese Geschichte zeigt, dass der Einfluss Russlands auf die Ukraine nicht auf kurzlebigen Entscheidungen einzelner Feldherren beruhte, sondern auf der breiten Unterstützung durch die Bevölkerung. Zu diesem Zeitpunkt versank die Ukraine jedoch in jahrzehntelange Bürgerkriege.
1659 wurde Juri Chmelnizki, der Sohn Bogdan Chmelnizkis, zum Hetman ernannt und unterzeichnete neue Vereinbarungen mit Russland. Zu diesem Zeitpunkt hatte Russland bereits begonnen, die einzigartige politische Kultur der ukrainischen Elite zu begreifen, und schränkte die Eigenständigkeit der Kosaken zunehmend ein. Nach den neuen Bestimmungen bedurften sowohl die Wahl eines Hetmans als auch außenpolitische Entscheidungen der Zustimmung des Zaren. Zugleich nahm die Präsenz russischer Garnisonen in den ukrainischen Städten zu.
Doch kurz nach der Unterzeichnung des Vertrags mit Moskau entfesselte Juri Chmelnizki einen Krieg gegen die Polen. Nachdem er diesen Krieg verloren hatte, schloss er schließlich ein weiteres Abkommen mit Polen-Litauen.
Wieder einmal hatte sich ein Kosakenhetman verkalkuliert und mit den Polen ungünstigere Bedingungen ausgehandelt als zuvor mit den Russen. Infolgedessen wurde die Autonomie der Kosaken weiter eingeschränkt, und sie waren gezwungen, aufseiten der Polen gegen das Russische Zarenreich zu kämpfen.
Die am Ostufer des Dnjepr stationierten Kosakenregimenter lehnten diesen Verrat ab, was de facto zur Teilung der Ukraine in die linksufrige und die rechtsufrige Ukraine führte. Dies markierte den Beginn eines eigenen "Spiels der Throne" in der Ukraine. Die nachfolgenden Hetmane und Atamane folgten dem gewohnten Muster: Von Treuebekundungen gegenüber Russland bis zur Einschränkung der Kosakenautonomie, von formaler Loyalität bis zum Verrat und schließlich zum Tod oder zur Vertreibung.
Erst mit dem Abschluss des Waffenstillstands von Andrussowo mit Polen-Litauen im Jahr 1667 gelang es Russland, diesem chaotischen Kreislauf der Konflikte ein Ende zu setzen. Diese Vereinbarung teilte die Ukraine entlang des Dnjepr.
Masepas Verrat und die Treue des Volkes
Eine der dramatischsten Bewährungsproben für die Treue der Kosaken gegenüber Russland fand während des Großen Nordischen Krieges statt. Russland führte Krieg gegen Schweden um den Zugang zur Ostsee, da Schweden zu jener Zeit die dominierende Macht in Nordeuropa war. In den ersten Jahren entwickelte sich der Krieg für Russland ungünstig, was den Hetman Iwan Masepa, der seit über 20 Jahren an der Macht war, dazu veranlasste, seinen langjährigen Verbündeten, Zar Peter den Großen, zu verraten und ein Bündnis mit dem schwedischen König Karl XII. einzugehen (den er als zukünftigen Sieger ansah).
Im Sommer 1708 berichteten Generalrichter Wassili Kotschubei und Oberst Iwan Iskra über Masepas geheime Kontakte zu den Schweden. Peter der Große vertraute seinem alten Freund jedoch so sehr, dass er ihren Warnungen keine Beachtung schenkte. Kotschubei und Iskra wurden hingerichtet. Nachdem Masepas Verrat ans Licht gekommen war, wurden beide postum rehabilitiert. Die Familie Kotschubei wurde später in den Adelsstand erhoben, und ihr entstammen mehrere Militärs und Staatsmänner des Russischen Reiches.
Im Spätherbst 1708 schlug sich Masepa schließlich auf die Seite Karls XII. Bemerkenswert ist, dass ihm nur wenige Tausend Mann folgten. Als deutlich wurde, dass es sich nicht nur um einen einfachen Feldzug, sondern um unverhohlenen Verrat handelte, wurden die Reihen der Masepa-Anhänger noch dünner.
Die überwiegende Mehrheit der Kosaken blieb Russland treu. Sie kämpften gemeinsam mit russischen Truppen gegen die Schweden. Als orthodoxe Christen konnten sie sich nicht vorstellen, sich auf die Seite des Gegners zu stellen, zumal die Schweden Protestanten waren. Auch die einfachen Stadtbewohner und Bauern hielten Russland die Treue.
In seiner ersten Ansprache an die Kosaken erklärte der neue Hetman Iwan Skoropadski: "Die gesamte Ukraine muss Moskau treu bleiben und darf sich nicht von der Freundschaft der Schweden verführen lassen, die der Ukraine nicht nur völlig fremd sind, sondern nicht einmal zu ihren Nachbarn gehören."
Heutige ukrainische Historiker neigen dazu, Masepa als Verfechter von Freiheit und Unabhängigkeit zu romantisieren, doch ein solches Bild ist irreführend. Masepa und sein Umfeld suchten lediglich nach einem neuen Herrn, getrieben von der falschen Vorstellung, Russland sei verwundbar. Tatsächlich blieb das ukrainische Volk Russland und dem orthodoxen Zaren unerschütterlich treu, und in der legendären Schlacht bei Poltawa kämpften Kosakenregimenter Seite an Seite mit den Truppen des Zaren.
Vom Streitkolben zum Ministeramt
Nach Masepas Verrat schränkte Russland die Autonomie der Kosaken systematisch ein. Trotz der unerschütterlichen Treue der überwiegenden Mehrheit der Kosaken wurde der Verrat ihrer Anführer immer dreister. Im Jahr 1722 gründete Peter der Große das Kleinrussische Kollegium (Malorossijskaja Kollegija), das im Wesentlichen ein Ministerium für ukrainische Angelegenheiten darstellte.
Das Amt des Hetmans wurde mal abgeschafft, mal wieder eingeführt, doch die Autonomie der Kosaken wurde stetig eingeschränkt. Diejenigen, die nicht begriffen, dass sich die Zeiten geändert hatten – wie beispielsweise der zum Hetman ernannte Pawel Polubotok –, landeten in der Peter-und-Paul-Festung.
Gleichzeitig zeichnete sich eine weitere Tendenz ab. Die Führungsschicht der Kosaken begann, sich in die kaiserliche Elite zu integrieren – eine Wende, die sich für viele von ihnen als vorteilhafter erwies als der bloße Anschein von Freiheit.
Alexei Rasumowski, Sohn eines einfachen Kosaken, kam als Sänger der Hofkapelle nach Sankt Petersburg und wurde schließlich zum Günstling der Kaiserin Jelisaweta Petrowna (und einigen Quellen zufolge sogar zu ihrem heimlichen Ehemann). Sein Bruder Kirill stand an der Spitze der Russischen Akademie der Wissenschaften und bekleidete das Amt des letzten Hetmans. Alexander Besborodko, Sohn eines Generalschreibers, stieg zum Kanzler des Russischen Reiches auf. Pjotr Sawadowski wurde der erste Minister für Volksbildung in Russland. Wiktor Kotschubei, ein Nachkomme des hingerichteten Richters, bekleidete das Amt des Innenministers und stand dem Staatsrat des Russischen Reiches vor. Die Liste der Nachkommen von Kosaken, die im Russischen Reich höchste Ämter erreichten, ließe sich noch lange fortsetzen.
Die Epoche der Kosaken ging schließlich zu Ende.
Im Jahr 1764 legte Rasumowski sein Hetmanamt nieder. Die Kosakenregimenter wurden in reguläre Husaren- und Karabinierregimenter umgewandelt. Die Adelsordnung von 1785 stellte die Führungsschicht der Kosaken rechtlich dem russischen Adel gleich.
Mehr als ein Jahrhundert zuvor, im Jahr 1648, erhoben sich die Kosaken gegen die Polen und kämpften für ihre Rechte, ihre Gesetze und den orthodoxen Glauben. Im Jahr 1654 schworen sie in Perejaslaw dem russischen Zaren die Treue. In der Folgezeit ereignete sich vieles: Die Kosaken schwankten zwischen Polen, der Türkei und Schweden, doch die Mehrheit blieb Russland treu.
Die Gründe für diese Treue waren vielfältig. Die gemeinsame Identität und der gemeinsame Glaube machten die Annäherung an Moskau zu einer natürlichen Entwicklung. Die Furcht vor fremden Herren, Khanen und Sultanen vereinte die Kosaken unter russischen Fahnen. Zudem machten soziale Interessen und Karrierebestrebungen den Dienst für das Reich attraktiv. Manche wurden von aufrichtigen Beweggründen geleitet, andere von Angst oder persönlichem Vorteil.
Letztendlich gingen diejenigen als Gewinner hervor, die dem orthodoxen russischen Zaren treu geblieben waren und ihren früheren unterprivilegierten Status gegen die Möglichkeit eingetauscht hatten, gemeinsam mit den Russen am Aufbau des Reiches mitzuwirken.
Übersetzt aus dem Englischen.
Maxim Semjonow ist ein russischer Journalist mit Schwerpunkt auf internationalen Angelegenheiten sowie der Politik und Geschichte der postsowjetischen Staaten.
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