Bislang hatte Moskau kein Verkehrsmuseum, das jenen in London, Nürnberg oder auch Dresden das Wasser reichen konnte. Es gab private Initiativen, wie das "Volksmuseum der Moskauer Metro", das viele Jahre in Nebenräumen der Metrostation "Sportiwnaja" sein Dasein fristete; es gab bemerkenswerte Fahrzeugsammlungen der Verkehrsbetriebe, die jedoch nur bei besonderen Anlässen der Öffentlichkeit vorgeführt wurden. Aber eben kein täglich geöffnetes zentrales Haus, in dem man die reichhaltige Geschichte der öffentlichen Verkehrsmittel der russischen, dann sowjetischen und nun wieder russischen Hauptstadt studieren und bewundern konnte.
Nun hat das Warten ein Ende: Unweit der "Drei Bahnhöfe", in der historischen Hufeisengarage, die sogar einen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag hat, fanden die bislang verstreuten Sammlungen eine dauerhafte Heimat, und aus gelegentlichen flüchtigen Ausstellungen wurde ein "richtiges" Museum. Moskau zieht damit endlich mit Metropolen wie London, Paris, New York, Sao Paulo und Tokio gleich.
Beheimatet ist das ÖPNV-Museum in der Lkw-Garage, die der Architekt Konstantin Melnikow, ein Vertreter der russischen Avantgarde, in den 1920ern errichtete. Im Rahmen der Vorbereitung auf seinen neuen Daseinszweck wurde das Gebäude von allen späteren Anbauten befreit. Somit wird auch das architektonische Denkmal erstmals der Öffentlichkeit zugänglich sein. "Wir haben die das Erscheinungsbild beeinträchtigenden Anbauten entfernt, die Buntglasfenster wiederhergestellt und dem Gebäude sein historisches Aussehen zurückgegeben", schrieb der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin anlässlich der Eröffnung.
Die Ausstellung zeigt 53 Originalfahrzeuge, mehr als 220 Modelle und über 500 weitere Exponate; dabei wird die Geschichte des Moskauer Nahverkehrs von der ersten, pferdegezogenen Straßenbahn des Jahres 1872 bis zu Visionen autonomer Fahrzeuge abgedeckt.
Die Abteilung über die Moskauer Metro befindet sich da, wo sie hingehört, im Untergrund. Sie zeigt Wagen aus verschiedenen Epochen und erzählt die gesamte Geschichte dieses wichtigsten Verkehrsmittels. Sogar eine Fahrt im Simulator eines Fahrerstands ist möglich.
Auch sonst bietet das Museum alle Schikanen einer modernen Ausstellung, etwa einen interaktiven Kinderparcours, der durch die gesamte Ausstellung führt, multimediale Führer, dreidimensionale Videos – alles, was heutige Ausstellungstechnologie zu bieten hat.
Gleichzeitig wird der Blick auf die Geschichte nicht völlig auf Fahrzeuge und Technik begrenzt; auch der Große Vaterländische Krieg findet seinen Platz. Auch die Geschichte wird erforscht; Archiv und Bibliothek bieten mit 50.000 Dokumenten reichlich Material dafür, und es ist geplant, für die Studierenden an Moskauer Universitäten fachspezifische Veranstaltungen abzuhalten, zur Verkehrsgeschichte, zum Ingenieurswesen, zur Stadtentwicklung …
Rund um das neue Domizil sollen auch noch andere Aktivitäten stattfinden: Festivals, Märkte und weitere Ausstellungen. Das Museum ist mit seiner Fläche von über 20.000 Quadratmetern für bis zu 10.000 Besucher pro Tag konzipiert; mit seiner Lage in der Nähe des "Platzes der drei Bahnhöfe" ist es bestens erreichbar, und dorthin führt auch die letzte verbliebene Trolleybuslinie Moskaus, die selbst Teil des Museums ist. Nutzbar zum normalen Stadttarif!
Der offizielle Museumsbetrieb beginnt am Dienstag. Moskaus Bürgermeister ist sich gewiss, dass die neue Adresse bald Teil des Moskauer Stadtlebens sein wird: "Ich bin mir sicher, dass es bei Kindern, Studenten, Moskauern und Besuchern der Hauptstadt sehr beliebt sein wird."
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