
Seweromorsk löst Hektik bei der NATO aus

Im Grunde war es nur eine Wachablösung. Seit dem Wochenende ankert vor Fehmarn der russische Zerstörer Seweromorsk; zuvor war in der selben Region der Ostsee die Raketenkorvette Stawropol unterwegs. Zugegeben, der Zerstörer ist etwas größer als das Raketenschiff – aber die NATO reagierte etwas hektisch; den Eindruck erweckt zumindest eine Reihe von Medienberichten.
Sie soll als Reaktion gleich einen ganzen Marineverband in die Ostsee verlegt haben. Angefangen mit der Luftabwehrfregatte FGS Sachsen der Bundesmarine, dann die Fregatte NRP Dom Francisco die Almeida aus Portugal, eine weitere Fregatte aus den Niederlanden namens HNLM Van Amstel, eine französische, die FS Auvergne und ein französisches Patroillenboot, die FS Cormoran. Also vier Fregatten und ein Patroillenboot mit insgesamt um die 700 Mann Besatzung samt bis zu fünf Hubschraubern gegen einen russischen Zerstörer mit 2.300 Mann Besatzung. Immerhin, in dem NATO-Verband werden fünf Sprachen gesprochen – kommandiert wird diese kleine Vielvölkerarmada nämlich von einer Britin, Maryla Ingham.

In allen Berichten in den deutschen Medien, in denen das Auftauchen der Seweromorsk als Bedrohung dargestellt wird (Welt: "Russland bringt Zerstörer vor deutscher Ostseeküste in Position" – als wolle das Schiff gegen Land feuern), wird jedoch zumindest erwähnt, dass die Anwesenheit dieses Zerstörers ebenso wie die der Korvette zuvor eine Reaktion auf das Vorgehen der Ostseeanrainerländer ist, den russischen Seehandel zu stören.
Schließlich gibt es zwei Möglichkeiten, auf eine Bedrohung der zivilen Schifffahrt zu reagieren, deren Grundprinzipien wie beim Fußball funktionieren: Manndeckung oder Raumdeckung. Vor einigen Wochen erst war die Seweromorsk als "Manndeckung" zur Begleitung zweier Tanker vor der portugiesischen Küste unterwegs gewesen, der Aufenthalt vor Fehmarn fiele eher unter "Raumdeckung" – es genügt, wenn im Falle eines Übergriffs der NATO-Staaten ein Schiff in der Nähe ist, das eingreifen könnte.
"Russland hat zahlreiche Marineschiffe vom Ärmelkanal bis zur Ostsee verteilt", schreibt beispielsweise Springers Business Insider. "Offenbar dient der Einsatz dem Schutz von Moskaus Schattenflotte", heißt es auch auf ntv. Wobei zu erwarten war, dass eine solche Reaktion Russlands erfolgt, wenn seit Jahren die Übergriffe gegen zivile Schiffe, die Erdöl, Erdgas oder Erdölprodukte aus Russland transportieren, zunehmen und sowohl die EU als auch Großbritannien in regelmäßigen Abständen ihren "Kampf gegen die russische Schattenflotte" verstärken wollen.
Rechtlich sind das alles höchst zweifelhafte Maßnahmen, denn Schiffe, die russisches Erdöl nach Indien oder China transportieren, fallen in keiner Weise in die Zuständigkeit der EU, völlig unabhängig davon, wo sie versichert sind oder unter welcher Flagge das Schiff registriert ist. Vielmehr stellt sich die Frage, ob es nicht Piraterie im staatlichen Auftrag, mithin eine Kriegshandlung ist, was in diesen Fällen vorgenommen wird. Sich vor Piraterie zu schützen jedenfalls ist völkerrechtlich absolut legal.
Der Ehrlichkeit halber sollte man jedoch hinzufügen, dass der ganze Verband, der nun angeblich wegen der Seweromorsk aufgefahren wurde, eigentlich schon länger in der Ostsee unterwegs ist. Unter der Bezeichnung "Baltic Sentry", baltischer Wachposten, soll nämlich genau diese Einheit bereits seit Januar 2025 die angeblich so bedrohten Unterwasserkabel bewachen und – gegen die "russische Schattenflotte" agieren. Die Seweromorsk wird also, obwohl sie mit Baujahr 1987 nicht mehr das neueste Schiff und eigentlich auf U-Boot-Abwehr spezialisiert ist, für bedrohlicher als andere in der Ostsee verteilte Schiffe gehalten.
Die Sachsen, hieß es in einem der Berichte, habe gerade erst in Kiel Munition aufgenommen. Dass eine Strategie wie der "Kampf gegen die Schattenflotte" durchaus nicht unproblematisch ist, selbst wenn keine der beteiligten Seiten auf eine Eskalation aus ist, merkte sogar Business Insider: "Mit der Konzentration mehrerer Kriegsschiffe in einem begrenzten Seegebiet steigt das Risiko ungewollter Zwischenfälle." Bleibt nur zu hoffen, dass genau das nicht geschieht.
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