
Bulgarische Orthodoxe protestieren gegen Besuch des "Weltpatriarchen"

Geistliche und Laien der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche haben einen mit über 2.000 Unterschriften versehenen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie sich gegen den für den 19. Oktober geplanten Besuch des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus im Rila-Kloster aussprechen. In dem Brief werden dem Patriarchen Ketzerei und die Spaltung der orthodoxen Kirche in der Ukraine vorgeworfen.
Laut dem offenen Brief und der Petition, die von Vertretern des Klerus und Gemeindemitgliedern der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche veröffentlicht wurden, hat der für den 19. Oktober 2026 geplante Besuch des Konstantinopel-Patriarchen Bartholomäus im Rila-Kloster, das als geistiges Herz Bulgariens gilt, eine schwere Krise ausgelöst.

Die Verfasser des Briefes werfen Bartholomäus vor, Ökumene und religiösen Synkretismus zu fördern, und bezeichnen die Ansprüche des Patriarchats von Konstantinopel auf absolute Macht über andere autokephale Kirchen als "Ketzerei des östlichen Papsttums". Sie erinnerten auch daran, dass die kirchliche Spaltung in der Ukraine eine direkte Folge der Handlungen von Bartholomäus sei:
"Ihre Einmischung in die Angelegenheiten einer fremden Jurisdiktion im Jahr 2019 war der Auslöser für die grausamsten Verfolgungen der orthodoxen Kirche in der jüngeren Geschichte. Das vergossene Blut, die Tränen, die besetzten Kirchen und die verhafteten Geistlichen der kanonischen Ukrainischen Orthodoxen Kirche lasten schwer auf Ihrem Gewissen als Oberhaupt der Kirche."
Der bulgarische Klerus forderte die Absage des Besuchs und betonte, dass er sich weigere, gemeinsam mit dem Oberhaupt zu beten und die Kommunion zu empfangen, da er diesem vorwerfe, offen Ketzerei zu predigen. Der offene Brief wurde von türkischen und griechischen Zeitungen abgedruckt.
Seit dem Sieg des Euromaidan im Februar 2014 steht die kanonische Ukrainisch-Orthodoxe Kirche wegen ihrer traditionellen, wenn auch in letzter Zeit nur noch eher symbolischen Zugehörigkeit zum Moskauer Patriarchat (die UOK ist seit 1990 mit weitgehender Selbstverwaltung ausgestattet) unter massivem Druck. Zwei Abspaltungen wurden von den neuen Machthabern seitdem unverhohlen bevorzugt und mit staatlicher Förderung bedacht, etwa im Rahmen der Einführung der Militärkapläne. Ungehindert, zum Teil sogar mit staatlicher Unterstützung, ergreifen Anhänger dieser Abspaltungen unter Einsatz von Gewalt Besitz von Kirchen und verdrängen die traditionellen Gemeinden.
Ende 2018 wurden die Abspaltungen unter der Schirmherrschaft des damaligen Präsidenten Poroschenko zur "Orthodoxen Kirche der Ukraine" vereinigt, die im Jahr 2019 von dem Patriarchen von Konstantinopel als "unabhängig" anerkannt wurde. In der orthodoxen Weltkirche ist dieser Akt weiterhin umstritten und wird teilweise als ein nicht kanonischer Eingriff in den Hoheitsbereich des Moskauer Patriarchen verurteilt. Unter ukrainischen Gläubigen findet die Neugründung bislang nur beschränkt Zuspruch.
Im August 2024 beschloss das ukrainische Parlament ein Verbot der kanonischen Kirche, das aktuell durch die Beschlagnahmungen von Gotteshäusern und gerichtliche Verfahren umgesetzt wird.
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