Europa

"Diese Nacht ermordete man Frankreich!": Kultige "Apokalypse" von Salvador Dalí gestohlen

Frankreich erlebt erneut einen Diebstahl des Jahrhunderts. Diesmal wurde der von Salvador Dalí geschaffene Bronzedeckel des Buches "Apokalypse des heiligen Johannes" aus einem privaten Museum gestohlen. Kunstkenner sprechen von einem "Mord am französischen Kulturerbe".
"Diese Nacht ermordete man Frankreich!": Kultige "Apokalypse" von Salvador Dalí gestohlenQuelle: Sputnik © RIA Nowosti / Sergei Pjatakow

Teile des Buches "Apokalypse des heiligen Johannes" mit einem Deckblatt von Salvador Dalí wurden aus dem Zentrum für zeitgenössische Kunst in Issoire in der französischen Region Auvergne gestohlen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft von Clermont-Ferrand am 5. Oktober dem Fernsehsender BFMTV mit. Details zum Diebstahl wurden von der Staatsanwaltschaft bislang noch nicht bekannt gegeben – obwohl es ein großes Rätsel bleibt, wie es den Dieben gelungen ist, ein so schweres und riesiges Exponat zu entwenden.

Von dieser Ausgabe existiert nur ein einziges Exemplar. Es entstand zwischen 1958 und 1961 auf Initiative des Verlegers Joseph Foré. An dem Werk wirkten sieben Künstler und sieben Schriftsteller mit, darunter Jean Cocteau, Bernard Buffet, Jean Giono, Leonard Foujita und Ossip Zadkine. Der Text der Offenbarung des Johannes wurde durch Zeichnungen und Reflexionen der Autoren auf großen Pergamentblättern ergänzt.

Der gestohlene Einband wiegt 150 Kilogramm. Dalí verzierte die skulpturale Komposition aus Bronze mit Gold, Edelsteinen und Muscheln. Das gesamte Buch wiegt 210 Kilo und galt einst als das schwerste und teuerste der Welt.

"Es handelt sich um das Werk eines privaten Sammlers, der ein kleines privates Museum für zeitgenössische Kunst besaß, in dem auch andere Werke von geringerem Wert aufbewahrt wurden", erklärte Bertrand Barraud, der Bürgermeister von Issoire, der Nachrichtenagentur AFP. Er fügte hinzu, dass der Schaden "unbezahlbar" sei und "das Werk eines ganzen Lebens" darstelle.

Das Buch gehört dem Restaurator Christian Karoutzos. Er erwarb es im Jahr 2003, als die früheren Besitzer das Werk stückweise verkaufen wollten. Zuvor war "Die Apokalypse" auf rund 150 Ausstellungen weltweit zu sehen gewesen, wurde anschließend in der Schweiz aufbewahrt und gelangte schließlich in den Besitz japanischer Eigentümer. In diesem Jahr beschloss Karoutzos, einen Teil des Werks in seinem Zentrum in Issoire der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Ausstellung sollte bis Ende Oktober dauern. Und nun ist es zu einem Diebstahl gekommen. Karoutzos, der das Buch seinerzeit spontan gekauft hatte, gab in Zeitungsinterviews zu, dass er den Kauf erst nach zehn Jahren, in denen er ohne Ruhetage arbeitete, abbezahlt hatte. In seinem Kommentar zum Diebstahl betonte er emotional:

"Es handelt sich um ein grandioses, meisterhaftes Werk, das weltweit seinesgleichen sucht. In dieser Nacht wurde Frankreich ermordet, das französische Kulturerbe wurde ermordet."

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