
Der Schütze von Stade: Ein Sexualstraftäter und kein Opfer

Die Informationen, die rund um den Sechsfachmord von Stade mittlerweile aufgetaucht sind, werfen eine Menge Fragen auf. Beispielsweise die, ob der Täter ohne die massive Unterstützung, die er erhielt, die Tat überhaupt begangen hätte. Inzwischen wird nicht nur gegen ihn ermittelt, sondern ebenso gegen die Kindsmutter und die Fahrerin des Fluchtwagens.
Die erwies sich inzwischen als die Schwiegermutter des SPD-Migrationspolitikers Deniz Kurku. Diesem hatte der Wagen zuvor gehört – das Nummernschild zeigt seine Initialen, die Schwiegermutter hatte ihn erst vor Kurzem erworben.
Die 65-Jährige, die in Bremen gemeldet ist, die ganze Affäre rund um die aus Hannover stammende Familie also eher aus der Entfernung miterlebt hatte, ist selbst als ehrenamtliche Beraterin beim Verband binationaler Familien tätig, hat wohl engere Beziehungen zur Familie des Schützen und ist die Patentante des Kindes, um das es bei der Auseinandersetzung ging. Sie hatte sich drei Tage vor dem Vorfall, so berichteten übereinstimmend mehrere Medien, mit einem 20 Seiten langen Schreiben an die Presse gewandt und die Kindesentnahme als Übergriff geschildert.

Die sechs Monate alte Tochter des Schützen war im April wegen Hirnblutungen im Krankenhaus in Hannover gewesen; die dortigen Ärzte schlossen auf ein Schütteltrauma und benachrichtigten das Jugendamt. Daraufhin wurde das Kind vorsorglich aus der Familie genommen. Kurz darauf kam die Mutter zu ihm in das Mutter-Kind-Heim in Stade.
Bei dem Termin dort, für den der Kindsvater angereist war, sollte die weitere Perspektive für die Familie besprochen werden. Die Eltern hatten bestritten, dass es sich um ein Schütteltrauma handelte, und erklärt, es sei versehentlich zu einem Zusammenstoß von Vater und Kind gekommen.
Der Vater allerdings ist, auch das stellte sich mittlerweile heraus, kein unbeschriebenes Blatt. Obwohl er 1981 in Goslar geboren wurde, hat er längere Zeit in der Türkei gelebt. Dort wurde ihm neben anderen Straftaten vorgeworfen, eine Tochter sexuell missbraucht zu haben; er war auch dort bereits dreimal verheiratet und ließ sich jeweils wieder scheiden; eine Fahndung nach ihm soll heute noch aktiv sein, wurde den deutschen Behörden aber nie bekannt. Nach Deutschland kam er nach seiner Flucht aus der Untersuchungshaft. In Deutschland war er bisher außer im Zusammenhang mit der Kindesentziehung im Krankenhaus Hannover noch nicht als gewalttätig aufgefallen.
Informationen, die vermutlich auch der Fahrerin des Fluchtfahrzeugs nicht vorlagen. Auch das Jugendamt Hannover, das bei dem Angriff drei Mitarbeiter verlor, hätte anders reagiert, wären diese Details bekannt gewesen. So erhielt ein gewalttätiger Vater, dem man bei vollständiger Information mit Sicherheit das Sorgerecht entzogen hätte, Unterstützung durch eine Aktivistin, die ihm pauschal Unschuld attestierte, und die Gelegenheit, sechs Menschen zu töten, von denen er sich angegriffen fühlte, die aber in diesem Fall vermutlich genau das getan hatten, was ihr gesellschaftlicher und gesetzlicher Auftrag ist.
Eine der Mitarbeiterinnen des Jugendamts Hannover, die getötet wurde, war Mutter zweier Kinder im Alter von drei und vier Jahren, die erst kurz zuvor den Vater verloren hatten.
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