Deutschland

Zu hohe Energiekosten: Deutsche Papierindustrie schlägt Alarm

Die Papierindustrie sieht den Standort Deutschland nicht für den internationalen Wettbewerb gerüstet. Anlässlich des Branchentreffens Paper Summit 2026 in Berlin machten Verbandsvertreter auf die schlechte wirtschaftliche Lage ihrer Branche aufmerksam.
Zu hohe Energiekosten: Deutsche Papierindustrie schlägt Alarm© DIE PAPIERINDUSTRIE e.V.

Diese Woche fand in Berlin der diesjährige Paper Summit statt. Dabei handelt es sich um den jährlichen Kongress der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie. Der Kongress dient als Netzwerkveranstaltung, die Führungskräfte der Branche, potenzielle Kunden und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft miteinander in Verbindung bringt. Ausrichter ist der Lobby-Verband Die Papierindustrie e.V.

Doch schenkt man der Pressemitteilung des Verbands Glauben, war den rund 190 Vertretern der Papierindustrie und ihren Marktpartnern bei ihrem Berliner Treffen alles andere als freudig zumute. Die deutsche Papierherstellung befindet sich in der Krise.

Das liegt nicht nur daran, dass aufgrund des digitalen Wandels weniger Papier für Zeitungen und Magazine benötigt wird. Die Papierbranche sieht vor allem die Politik in der Pflicht und fordert bessere Standortbedingungen. Besonders die hohen Energiekosten machen den Firmen zu schaffen. Zunächst hatte das packaging journal, ein führendes deutschsprachiges Fachmagazin für die Verpackungsbranche, darüber berichtet.

Einer verbandsinternen Umfrage zufolge betrachten demnach 95 Prozent der befragten Unternehmen die Energiekosten als die größte Herausforderung. Auf Platz zwei folgen die schwache Konjunkturentwicklung in Deutschland sowie die generelle Wettbewerbsfähigkeit der BRD. Auf Platz drei und vier der Sorgen der Papierindustrie sind Überregulierung beziehungsweise Bürokratie und die Vorgaben auf dem Weg zur Klimaneutralität zu finden. 71 beziehungsweise 70 Prozent gaben diese Themen als Problemfelder an.

Verbandspräsident Hans-Christoph Gallenkamp mahnte denn auch auf der Berliner Veranstaltung:

"Elementare Standortfaktoren wie Energiekosten, Steuern und Abgaben müssen sich an den internationalen Wettbewerbsfaktoren orientieren. Ansonsten können wir in Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig produzieren."

Die schlechte Lage hatte der Branchenverband bereits in einer Pressemitteilung Anfang August dieses Jahres moniert. Aus ihr lässt sich schließen, dass die deutsche Papierindustrie in einer tiefgreifenden, strukturellen Krise steckt und massiv unter Druck steht. Eine erhoffte wirtschaftliche Trendwende ist bisher ausgeblieben.

So sank im ersten Halbjahr 2026 die Produktionsmenge im Vergleich zum Vorjahr erneut um 1,4 Prozent auf 9,4 Millionen Tonnen. Auch ein Einbruch beim Umsatz war zu verzeichnen: Er betrug 7,1 Prozent. Die Branche erreichte nur noch einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro.

Auch renommierte Traditionsunternehmen können sich in der Krise nicht mehr halten. So schloss im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim im September 2026 die Papierfabrik Schleipen nach fast 300-jährigem Betrieb für immer ihre Tore. 73 Beschäftigte verloren ihre Arbeitsplätze.

In Berlin kritisierte Branchenvertreter Gallenkamp auch die steigenden Beiträge und Lohnnebenkosten zur Aufrechterhaltung des Sozialstaats sowie die Vorschläge der EU-Kommission zur ETS-Reform. Letztere stellt eine Reformierung des EU-Emissionshandelssystems dar. Die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten soll künftig stärker an Investitionen in die Dekarbonisierung geknüpft werden. Gallenkamp sieht darin die Gefahr von "unwirtschaftlichen Zwangsinvestitionen" und beschwört die Gefahr des "Carbon Leakage" herauf, also die Verlagerung der Produktion in Länder ohne CO₂-Besteuerung.

Gallenkamp macht auch eine große Enttäuschung unter seinen Verbandsmitgliedern gegenüber der Politik aus. Die Industrie habe auf die neue Bundesregierung Vertrauen gesetzt. "Doch mittlerweile haben auch wir angesichts der immer größer werdenden Herausforderungen und existenziellen Baustellen unsere Zweifel, mit welcher Unterstützung wir als Industrie von Seiten der Politik noch verbindlich rechnen können", erklärte der Verbandsvertreter.

Harsche Kritik, die sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn anhören musste. Sie war als Staatssekretärin im Bundesumweltministerium auf der Konferenz vertreten und versicherte ihren Zuhörern den Willen der Bundesregierung, die Papierindustrie in Deutschland zu halten. "Die Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie in Deutschland, deren Beitrag oft unterschätzt wird. Papier ist hoch systemrelevant", erklärte die SPD-Politikerin.

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