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Einmischung unerwünscht – Tunis bestellt türkischen Botschafter nach Erdoğan-Kommentar ein

Tunesien hat den türkischen Botschafter einbestellt, nachdem der türkische Staatspräsident Erdoğan den tunesischen Präsidenten Saied wegen der Auflösung des Parlaments kritisiert hatte. Saied hat das Parlament letzte Woche aufgelöst, vor acht Monaten hatte er es bereits suspendiert.
Einmischung unerwünscht – Tunis bestellt türkischen Botschafter nach Erdoğan-Kommentar einQuelle: AFP © FETHI BELAID / AFP

Tunesiens Regierung verurteilte die Kommentare des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan über die Auflösung des Parlaments durch den Präsidenten Kais Saied als eine "inakzeptable Einmischung" in die inneren Angelegenheiten.

"Die Auflösung des Parlaments, zu dem auch die gewählten Abgeordneten gehören, gibt Anlass zum Nachdenken über die Zukunft Tunesiens und ist ein Schlag gegen den Willen des tunesischen Volkes", erklärte Erdoğan am Beginn der Woche.

"Wir bedauern, dass die Versammlung der Volksvertreter, die am 30. März 2022 in Tunesien eine Vollversammlung abhielt, aufgelöst wurde und ein Ermittlungsverfahren gegen die Abgeordneten, die an der Sitzung teilnahmen, eingeleitet wurde", erklärte der türkische Präsident. Als Reaktion darauf hat der tunesische Außenminister Othman Jerandi nach eigenen Angaben am Mittwoch mit seinem türkischen Amtskollegen telefoniert und den türkischen Botschafter in Tunesien einbestellt.

"Tunesien bekräftigt sein Interesse an engen Beziehungen zu befreundeten Ländern, hält aber an der Unabhängigkeit seiner Entscheidung fest und lehnt eine Einmischung in seine Souveränität ab", erklärte das tunesische Außenministerium.

Saied hatte die Auflösung des Parlaments angeordnet, nachdem dessen Mitglieder sich zu einer virtuellen Sitzung getroffen hatten.
Er sagte, die Auflösung des Parlaments habe er zum Schutz des Staates und seiner Institutionen angeordnet. Die virtuelle Sitzung bezeichnete der Präsident als "gescheiterten Putschversuch" und "Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates".

Dafür gebe es jedoch keinerlei Beweise, zitiert die Deutsche Presse-Agentur Rached al-Ghannouchi, den Parlamentspräsidenten und Chef der islamistischen Ennahda-Partei. Es handle sich um "politische, arglistige Anschuldigungen", um der Ennahda zu schaden, darunter "Landesverrat, Terrorismus und Geldwäsche". Die islamistische Ennahda-Partei stellt die größte Fraktion im Parlament und gilt als wichtigster politischer Gegenspieler Saieds.

Er und seine Parteikollegen hätten bei Ermittlungen im Zusammenhang mit der Sitzung keine Fragen beantwortet und sich auf ihre Immunität berufen, so al-Ghannouchi. Die Immunität hatte Saied zuvor allerdings aufgehoben. In der vergangenen Woche hat er eine Anti-Terror-Einheit beauftragt, mehrere Abgeordnete, darunter al-Ghannouchi, zum Verhör vorzuladen.

Trotz der Auflösung durch Saied will das Parlament jedoch weiterhin zusammentreten und sich gegen die Maßnahmen des Staatschefs wehren. Virtuelle Sitzungen würden auch künftig stattfinden, sagte al-Ghannouchi der Deutschen Presse-Agentur. Zudem sei kommendes Wochenende ein Protest geplant. Saied hatte im vergangenen Juli den damaligen Regierungschef Hichem Mechichi abgesetzt und die Arbeit des Parlaments suspendiert. Er hob zudem die Immunität aller Abgeordneten auf.

Trotz internationaler Proteste verlängerte er die Maßnahmen später. Seine Gegner verurteilten sein Vorgehen als Staatsstreich. Der frühere Juraprofessor berief sich hingegen auf die Verfassung des Landes. Zuletzt trieb er auch den Umbau des Justizsystems voran, im Februar beschloss er, den Obersten Justizrat Tunesiens aufzulösen. Am Mittwoch kündigte Saied zudem an, die Struktur der Unabhängigen Hohen Behörde für Wahlen (ISIE) zu ändern. Saied plant darüber hinaus eine Verfassungsänderung, für deren Vorbereitung durch einen Ausschuss in diesem Jahr tunesische Bürger zu verschiedenen Themen wie Bildung, Kultur, Wahlen und Wirtschaft befragt wurden. Saied genoss in der Bevölkerung lange Rückhalt, doch kommt es inzwischen häufig zu Protesten. Die Menschen in dem beliebten Urlaubsland kämpfen mit den Folgen weit verbreiteter Korruption, einer Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit. Besonders junge Menschen sehen kaum eine Zukunftsperspektive in Tunesien.

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