Meinung

Stell Dir vor, man würde die Menschheit mit Nahrungsmitteln versorgen, die nicht krank machen

Das Amerika der Konzerne würde niemals so, wie es eine Pflicht zum Maskentragen verordnet hat, eine Verordnung über gesunde Lebensmittel zulassen. Denn Junkfood ist dafür viel zu profitabel.
Stell Dir vor, man würde die Menschheit mit Nahrungsmitteln versorgen, die nicht krank machenQuelle: Reuters © HILARY RUSS

von Robert Bridge

Der CEO einer Reformhaus-Kette hat auf die harte Tour lernen müssen, dass das Rezitieren medizinischer Daten und das logische Schlussfolgern daraus – wie etwa die Befürwortung einer Verordnung zur Vorbeugung von Fettleibigkeit – die Konzern-Alligatoren ebenso wie einen wütenden, "woken" Mob auf den Plan ruft.

"Wenn du wissen willst, wer über dich herrscht, finde einfach heraus, wen du nicht kritisieren darfst", sagt ein berühmtes Sprichwort. Wenn das stimmt, werden die Amerikaner von einem wirklich herrschsüchtigen Tyrannen regiert, der es nicht ertragen kann, Ratschläge zu hören, auch wenn die sein ganzes Königreich retten könnten.

Jonathan Neman, CEO der gehobenen Salatbar-Kette Sweetgreen, hat Millionen Amerikanern, die um die Taille kurz vor dem Platzen stehen, einige unangenehme Wahrheiten mitgeteilt: Im Zeitalter von COVID fettleibig zu sein, könnte zu ihrem vorzeitigen Tod führen. "78 Prozent der Krankenhauseinweisungen aufgrund von COVID betreffen fettleibige und übergewichtige Menschen", sagte Neman in einem LinkedIn-Beitrag, der erwartungsgemäß viral ging. 

"Gibt es ein zugrunde liegendes Problem, dem wir vielleicht nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt haben? Gibt es eine andere Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie wir das Gesundheitswesen angehen, indem wir die Ursachen angehen?"

"Wir haben schnell Masken- und Impfverordnungen eingeführt, aber kein Wort über Gesundheitsverordnungen", fuhr der CEO fort, während er sich damit ahnungslos in von Konzern-Alligatoren verseuchten Profitsumpf hinauswagte. "Die ganze Zeit haben wir unbegrenzt Geld gedruckt, um die Folgen abzufedern, den die Lockdowns in unserem Land verursacht haben."

Obwohl er sein Argument so demonstrativ tugendhaft wie möglich vorbrachte und betonte, dass er kein Impfgegner sei und Impfstoffe für eine großartige Idee halte, war dies der "woken" Konzern-Meute egal. Neman hatte das unverzeihliche Verbrechen begangen, unliebsame Tatsachen zu äußern – in einem Moment der Geistesgestörtheit in der amerikanischen Geschichte, in dem das infantile, sich nach Sehnsucht verzehrende Publikum keinen anderen Wunsch hat, als von einem mit Zuckerguss überzogenen Traumbild der Realität süß eingeschläfert zu werden.

Und es war nicht so, dass der CEO etwa die Wahrheit falsch dargestellt hat. Auch die Gesundheitszentren der USA, die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beispielsweise beschreiben die aktuelle düstere Realität, mit der übergewichtige und fettleibige Amerikaner konfrontiert sind, folgendermaßen: 

"Während Kliniker Behandlungspläne für COVID-19-Patienten entwickeln, sollten sie das Risiko schwerer Folgen bei Patienten mit höherem BMI berücksichtigen (Body-Mass-Index), insbesondere für Menschen mit schwerer Fettleibigkeit, die ein Risikofaktor für Krankenhausaufenthalt und Tod ist."

Seltsamerweise wurden mit der Veröffentlichung dieser ernüchternden Studie keine woken Kämpfer für soziale Gerechtigkeit gemeldet, die lauthals die CDC beschuldigten, die "Fetten" zu diskriminieren.

Im Fall von Jonathan Neman jedoch trat der Mob mit voller, schwabbeliger Wucht hervor, heulte sich den kollektiven Schmerz vom Leib und versuchte, den erfolgreichen Geschäftsmann als Pausenplatz-Tyrannen darzustellen, der seine Tage damit verbringt, beleibte Kinder zu ärgern. Und so löschte der amerikanische CEO – selbst das eigentliche Opfer von Online-Mobbing – seinen "anstößigen" Post auf LinkedIn, der den jüngsten "linken" Aufstand ausgelöst hatte.

Besonders beunruhigend an dem Angriff auf Neman  war, dass er von den furchtlosen konzerneigenen Verteidigern von Fehlinformationen, den sogenannten Konzernmedien, initiiert wurde. Trotz der enormen Anzahl von Publikationen zum Thema brach niemand aus den Reihen der Bande der Konzernmedien aus – auch nicht, um vielleicht wenigstens nur anzudeuten, dass Jonathan Neman vielleicht, nur vielleicht Recht haben könnte und dass es sogar im besten Interesse für Amerika sein könne, die Pommes für eine Weile stehen zu lassen.

Im Magazin Vice, das mit unter den ersten das Klagelied über die "anstößigen" Kommentare von Herrn Neman anstimmte, wurde behauptet, es sei "unmöglich, seine Kommentare davon zu trennen, dass er direkt von einer bestimmten (und kostspieligen) Vorstellung von 'Gesundheit' profitiert."

Wie der Schriftsteller Edward Ongweso argumentierte, würde Herr Neman – weil er zufällig der Besitzer einer Reformhauskette ist – ganz persönlich von solchen Regierungsinitiativen profitieren, die Junkfood verbieten oder besteuern, weil er Millionen von Amerikanern krank mache und nur noch schlecht eine Treppe bewältigen lasse, anstatt ein tödliches Virus zu bekämpfen.

Mit anderen Worten, Neman sei ja selbst nur ein anderes "kapitalistisches Schwein", das auch darauf aus ist, schnelles Geld zu verdienen. Das klingt fast so absurd wie, dass Regierungen nur deshalb die Kleinunternehmer in den Lockdown zwingen, damit globale Konzerngiganten wie Walmart und Amazon einen gigantischen Reibach machen können. Oder Big Pharma bleibt desinteressiert, die Gesundheit der Amerikaner zu priorisieren, weil das die riesigen Gewinnmargen negativ beeinflussen würde. Genau das aber geschah auf dem Höhepunkt der Pandemie. Und ich kann mich nicht erinnern, dass Vice oder irgendein anderer Konzerndiener eine einzige Träne über diesen tragischen Zustand vergoss, der unzählige Unternehmen zerstörte, ganz zu schweigen von ganzen Familien. 

Auf jeden Fall scheint es so, als ob das, was den Mob wirklich dazu gebracht hat, sich gegen Herrn Neman aufzulehnen, dessen mutiger und ehrgeiziger Vorschlag war, Anreize für die nachhaltige Gesundheit zu schaffen.

"Was wäre, wenn wir das Essen, das uns krank macht, als illegal erklären würden? Was wäre, wenn wir verarbeitete Lebensmittel und raffinierten Zucker besteuern würden, um die Auswirkungen der Pandemie zu bezahlen? Was wäre, wenn wir Anreize für die Gesundheit schaffen würden?"

Man stelle sich das bloß vor! Die Menschen würden tatsächlich mit Nahrung versorgt, die auf lange Sicht nicht zu ihrem endgültigen Tod führt. Heureka, Watson, vielleicht sind wir hier auf etwas gestoßen!

Aber jetzt kommt der Dreh, der ganz sicher Schockwellen durch die amerikanische Lebensmittelindustrie jagt und vielleicht auch diesen Mob entfesselte: "Die Reform unseres Lebensmittelsystems könnte uns 2 Billionen US-Dollar pro Jahr an direkten Kosten sparen – 1 Billion US-Dollar im Gesundheitswesen und 1 Billion US-Dollar bei Umweltbelastungen."

Mit anderen Worten, es ist völlig in Ordnung, wenn die Konzernmonster des Universums absichtlich Millionen von Kleinunternehmen zerstören und sich wie die Geier darauf stürzen, um selbst die Knochen noch einzusammeln. Aber in dem Moment, in dem jemand am unteren Ende der Nahrungskette das Endergebnis der Konzernherren bedroht – selbst wenn es das Wohlergehen der gesamten Nation verbessern würde – sollte man nichts anderes als Gebrüll und Wut erwarten.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Übersetzung aus dem Englischen. Robert Bridge ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Er ist Autor von "Midnight in the American Empire", Wie Konzerne und ihre politischen Diener den amerikanischen Traum zerstören. Er twittert unter @Robert_Bridge

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