Meinung

Das Establishment von Davos hat offenbart, vor wem es sich tatsächlich fürchtet

Das diesjährige Weltwirtschaftsforum lancierte den Aufruf, "die Zukunft zu meistern", während der angeblich zunehmende Rechtspopulismus für das wachsende Misstrauen in die globalen Eliten verantwortlich gemacht wurde.
Das Establishment von Davos hat offenbart, vor wem es sich tatsächlich fürchtetQuelle: AFP © Fabrice Coffrini

Von Rachel Marsden

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos war früher der ultimative Ort, um zu sehen und gesehen zu werden. Aber seitdem die reichsten und einflussreichsten Menschen der Welt damit begonnen haben, sich um eine gemeinsame Agenda für die Erde zu versammeln, hat das WEF seinen Glanz zunehmend verloren. Die von seinen Teilnehmern vertretenen Ansichten haben die Skepsis bei den Durchschnittsbürgern erheblich verschärft.

Forumsgründer Klaus Schwab, das De-facto-Oberhaupt dieser Veranstaltung, hat in den vergangenen Jahren eine geschmacklose Äußerung nach der anderen getätigt. Er hat offen damit geprahlt, wie seine Organisation, im Bemühen um Einfluss, "in die Kabinette der Regierungen eingedrungen ist". Er prägte den Begriff "The Great Reset", über den er nur wenige Monate nach Beginn der Corona-Krise ein Buch veröffentlichte.

Darin plädiert er dafür, die Pandemie als Inspiration zu nutzen, um "unsere Welt neu zu erfinden". Dies zu einer Zeit, in dem der Großteil der Menschheit auf Befehl der jeweiligen Regierungen in Lockdowns geschickt worden war – Regierungen, deren Mitglieder oft Stammgäste in Davos gewesen sind.

Es gab unter den Menschen weltweit wenig Begeisterung dafür, Lockdowns zu einem dauerhaften Zustand zu machen. Aber Klaus Schwab warb für die goldenen Aussichten, auf die wir zusteuern würden, wenn wir unsere alten Lebensgewohnheiten begraben. Und alles vor dem Hintergrund einer Simulation namens "Event 201", die das WEF bereits im Oktober 2019 in New York, kurz vor dem Beginn der Corona-Krise, durchgespielt hatte. "Diese Simulation wird Führungskräfte aus Wirtschaft, Regierung, Sicherheitsdiensten und öffentlicher Gesundheit zusammenbringen, um ein hypothetisches globales Szenario einer Pandemie anzugehen", kündigte das WEF damals die Veranstaltung an. Alles ein bisschen zu gruselig.

Es sind diese ständigen Anstrengungen einer globalen Koordinierung von oben nach unten, rund um finstere finanzielle Interessen, die durch die Davos-Agenda reingewaschen werden sollen, die den einfachen Bürger verprellen. Die Tatsache, dass nur ein einziger Staatschef eines G7-Staates an der diesjährigen Veranstaltung teilgenommen hat, spricht Bände darüber, wie schlecht das Image des WEF mittlerweile geworden ist. Die Premierministerin der westkanadischen Provinz Alberta, Danielle Smith, sagte nach der Vereidigungszeremonie ihres Kabinetts im vergangenen Oktober über das WEF:

"Ich finde es widerlich, wenn Milliardäre damit prahlen, wie viel Kontrolle sie über Politiker haben. Das ist beleidigend. Die Leute, die eine Regierung lenken, sollten jene Leute sein, die der Regierung ihre Wählerstimmen gegeben haben. Ehrlich gesagt, bis diese Organisation aufhört, damit zu prahlen, wie viel Kontrolle sie über Politiker und Regierungen hat, habe ich kein Interesse daran, mich mit ihr einzulassen."

Diejenigen, die in diesem Jahr zum Hochamt des Globalismus eingeladen wurden, schienen genau zu wissen, welche Art von Predigt die Anwesenden hören wollten. Bundeskanzler Olaf Scholz war anscheinend der einzige Staatschef eines G7-Staates, der meinte, es würde ihm gut anstehen, sich mit den selbsternannten Herrschern des Planeten sehen zu lassen, während die gewöhnlichen Menschen des kollektiven Westens – insbesondere die Europäer – gleichzeitig mit den Kosten der Politik ihrer Regierungen zu kämpfen haben. Scholz legte sogar noch einen drauf, mit grünen Fantasien, mit denen die deutsche Wirtschaft, ohne tragfähigen Plan B, in Gefahr gebracht wird, nachdem sich die Europäische Union durch einseitige Sanktionen effektiv von russischer Energieversorgung abgeschnitten hat. Scholz sagte in seiner Rede:

"Vor allem unsere Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft, die grundlegende Aufgabe unseres Jahrhunderts, bekommt derzeit eine ganz neue Dynamik. Nicht trotz, sondern wegen des russischen Krieges in der Ukraine und des daraus resultierenden Drucks auf uns Europäer zu einem Wandel. Ob Unternehmer oder Klimaaktivist, Sicherheitspolitiker oder Investor, jedem von uns ist inzwischen klar, dass die Zukunft allein den erneuerbaren Energien gehört. Aus Kostengründen, aus Umweltgründen, aus sicherheitspolitischen Gründen und weil erneuerbare Energien langfristig die besten Renditen versprechen."

Deutschland fährt derweil seine Kohlekraftwerke wieder hoch und überdenkt den Atomausstieg. Wie wäre es, sich Gedanken darüber zu machen, wie die deutsche Industrie im nächsten Jahr funktionieren wird, wenn grüne Initiativen wie Wasserstoffimporte aus Portugal und Norwegen bis mindestens 2030 nicht einmal auf den Weg gebracht werden können? Scholz nutzte seine Zeit auf dem Podium in Davos, um die wirtschaftlichen Unsicherheiten zu beschönigen, denen Deutschland durch die Energiesanktionen der EU gegen Russland ausgesetzt ist. Mit anderen Worten, grüne Hoffnungen und Träume standen im Mittelpunkt seines Buhlens um globale Investoren und er bot somit eine bequeme Ablenkung von den besorgniserregenderen Realitäten.

Zur grünen Heiligsprechung gesellte sich in Davos das Instellungbringen antidemokratischer Initiativen mittels geheuchelter Betroffenheit. Während einer Podiumsdiskussion, die sich dem Thema "Misstrauen begegnen" widmete – die eigentlich hätte heißen sollen: "Wie können wir die Leute dazu bringen, unseren Unsinn besser zu schlucken?" –, machte Richard Edelman, der Vorstandsvorsitzende des Kommunikationsunternehmens Edelman, die Rechten für die Entgleisungen verantwortlich:

"Meine Hypothese dazu ist, dass rechte Gruppierungen wirklich gute Arbeit bei der Dämonisierung von NGOs geleistet haben. Sie haben die Quelle ihrer Finanzierung in Frage gestellt. Sie haben die Organisationen mit Bill Gates und George Soros in Verbindung gebracht. Sie haben behauptet, dass ihr alle hier Globalisten seid, im Gegensatz zu dem, was ihr tatsächlich seid – Lokalisten."

Er ignorierte dabei die Tatsache, dass diese "Lokalisten" nicht in Privatjets zu einer "lokalen" Veranstaltung hätten fliegen müssen. Was Edelman in Wahrheit angriff, waren die Dissidenten, von denen viele zufälligerweise Populisten und rechtsgerichtet sind. Und die Tatsache, dass sich diese mit den Sonderinteressen der Eliten befassen, die durch unzählige NGOs verschleiert werden, macht die Arbeit von PR-Profis wie Edelman zweifellos schwieriger.

"Edelman ist ein verabscheuungswürdiger Mensch – sein Job ist buchstäblich der eines professionellen Lügners!", twitterte der Milliardär Elon Musk, Gründer von Tesla und SpaceX, der sich mit seinem Erwerb der Social-Media-Plattform Twitter und der anschließenden Aufhebung der dreisten Zensurpolitik bei der Davos-Clique nicht gerade beliebt gemacht hat. Musk spottete über Schwabs Aufruf, "die Zukunft zu meistern", indem er twitterte:

"Die Zukunft zu meistern, klingt überhaupt nicht bedrohlich. Aber inwiefern ist WEF/Davos überhaupt relevant dabei? Versucht ihr, der Herr über die Welt zu werden!?"

Musk veröffentlichte anschließend eine Meinungsumfrage auf Twitter, die ergab, dass 86 Prozent von 2,4 Millionen, die an der Umfrage teilnahmen, mit "Nein" auf die Frage antworteten, ob das WEF "die Welt kontrollieren" sollte. Ein WEF-Sprecher sagte, dass Musk seit 2015 nicht mehr zu den Treffen eingeladen wurde. Musk bestätigte sein mangelndes Interesse an einer Teilnahme:

"Mein Grund, die Einladungen von Davos abzulehnen, war nicht, weil ich dachte, sie seien in teuflische Intrigen verwickelt, sondern weil alles, was von dort zu hören war, so verfickt langweilig klang."

Langweilig in der Tat – so wie beim Treffen einer Sekte, bei dem alle zustimmend mit dem Kopf nicken. Das letzte Mal, dass die Dinge in Davos auch nur annähernd interessant waren, war, als der ehemalige US-Präsident Donald Trump dort aufkreuzte und das Mantra von Davos, vom Untergang der Welt durch Klimawandel, ablehnte.

Die Eliten vertreten lediglich ihre eigenen Interessen, die rein wirtschaftlich und den Aktionären verpflichtet sind – daher der Name des Forums. Wenn der Durchschnittsbürger jetzt aufwacht und versteht, dass alles, was aus Davos kommt, durch diese Linse geprüft werden sollte, dann kann das nur gut für die Freiheit, die Demokratie und die nationale Souveränität sein.

Übersetzt aus dem Englischen

Rachel Marsden ist eine Kolumnistin, politische Strategin und Moderatorin eines unabhängig produzierten französischsprachigen Programms, das auf Sputnik France ausgestrahlt wird. Ihre Webseite findet man unter rachelmarsden.com

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