
"Kein Geld für Tech-Faschismus": Protest gegen Palantir in Zürich

Der US-Konzern Palantir verdient Milliarden mit Software für Militär, Polizei und Geheimdienste. Schweizer Behörden prüften eine Zusammenarbeit, doch die Armee verzichtete auf die Produkte des Unternehmens. Nun protestieren Aktivisten in Zürich gegen den Konzern von Alex Karp und nehmen auch dessen Geldgeber ins Visier.
Aktion gegen den amerikanischen Datenkraken Palantir andere solcher Unternehmen. Ort: ZH Bahnhofstrasse, 9.10.26, 11:30h https://t.co/8Jh7Jm29Ba
— Attila der Kluge 🇨🇭 (@AttilaDerKluge) October 9, 2026
Palantir Technologies entwickelt Software, die große Datenmengen zusammenführt und analysiert. Damit können Sicherheitsbehörden Zusammenhänge erkennen und militärische Operationen planen. Die Technologie kann Ermittlungen erleichtern, ermöglicht aber auch eine umfassende Auswertung persönlicher Informationen.
Mal ehrlich. Ein Anruf bei der 110, und du kannst hinterher in einer Auswertung landen, um die du nie gebeten hast. Die Software kommt von Palantir. In Hessen heißt sie hessenDATA, in Nordrhein-Westfalen DAR, in Bayern VeRA. Frühes Geld kam von In-Q-Tel, das ist der Wagniskapitalarm der CIA. Verkaufen muss die Firma deine Daten nicht. Der Staat hat sie schon. Palantir verbindet sie nur. Karlsruhe hat am 16. Februar 2023 die damaligen Regeln in Hessen und Hamburg kassiert. Mit einem Klick lassen sich Profile bauen, auch von Leuten, die mit der Sache nichts zu tun haben. Zeuge, Geschädigter, Anrufer. Verboten wurde nicht die Auswertung an sich, sondern die schwammige Grundlage. Also wurde das Gesetz neu geschrieben. Die Software lief weiter. Das sagt eigentlich alles. Und am 25. September 2026 kam die nächste Stufe. Echtzeit-Gesichtserkennung bei der Bundespolizei, erst mal nur in besonderen Gefahrenlagen. Heute ist es das entführte Kind. Morgen ist es der nächste Anlass, der sich gerade gut anhört. Von digitaler Souveränität zu reden und den Schlüssel bei einer US-Firma zu lassen, passt für mich nicht zusammen. https://t.co/jPihux8Tjy https://t.co/v421JnNkGl https://t.co/8FrIvQlulN Satire nichts ist ernst gemeint.
— 爪卂ㄒ丂ㄩ卄丨爪乇 Herbstprinzessin (@Shinsho_ni) October 6, 2026
Firmenchef Alex Karp verteidigt die Zusammenarbeit mit westlichen Regierungen und Streitkräften. Fachleute warnen vor den Risiken, wenn private Unternehmen immer mehr Einfluss auf die staatlichen Sicherheitsstrukturen gewinnen.
Am Freitag, dem 9. Oktober, wollen Aktivisten in Zürich unter dem Motto "No Money for Tech Fascism" gegen Palantir protestieren. Sie kritisieren den Einsatz von Überwachungstechnologie und künstlicher Intelligenz für militärische Zwecke.
Die Schweizer Armee verzichtete auf Palantir
Palantir bemühte sich jahrelang um Aufträge von Schweizer Bundesbehörden. Die Armee prüfte die Software und kam Ende 2024 zum Schluss, dass trotz ihrer Leistungsfähigkeit Sicherheitsrisiken und eine Abhängigkeit von einem US-Anbieter bestehen. Der Armeestab empfahl deshalb, auf Palantir zu verzichten.
Zürich HB. "@PalantirTech fuck off" https://t.co/JhneHLo2rc
— Barbouille 🙃 (@barbouillech) October 9, 2026
Ein Zugriff US-amerikanischer Behörden auf Schweizer Militärdaten wurde nicht nachgewiesen. Im Zentrum standen die Kontrolle über sensible Informationen und die langfristige Abhängigkeit von einem ausländischen Anbieter. Bei Militär- und Nachrichtendienstsoftware muss die Schweiz jederzeit wissen, wer auf ihre Daten zugreifen kann und wie diese geschützt werden.
Die Aktivisten richten ihre Kritik auch gegen Schweizer Banken und Anleger, die in Palantir investiert sind. Sie fordern, dass Geldgeber die Verwendung der finanzierten Technologien berücksichtigen.
Dabei ist zu unterscheiden zwischen Aktienanlagen und einer direkten Finanzierung einzelner Projekte. Eine Beteiligung bedeutet nicht automatisch, dass ein Investor jede Anwendung der Software unterstützt. Anleger können jedoch Transparenz verlangen und Sicherheits- sowie Menschenrechtsrisiken in ihre Entscheidungen einbeziehen.
Die Schweiz braucht digitale Alternativen
Beat Jans treibt die Digitalisierung des Staates voran. Doch bei der elektronischen Identität geht es um sensible persönliche Daten.

Deshalb muss geklärt sein, wer Zugriff darauf erhält, wie sie geschützt werden und welche Rolle private Technologieunternehmen spielen. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat beim E-ID-Projekt offene Aufgaben und Risiken aufgezeigt. Die Einführung wurde auf 2027 verschoben.
Jans muss sicherstellen, dass der Bund die Kontrolle über die digitale Infrastruktur behält und sich nicht von einzelnen Technologieanbietern abhängig macht. Dafür braucht es unabhängige Sicherheitsprüfungen, transparente Verträge und klare Regeln für den Datenzugriff. Die Bürger müssen darauf vertrauen können, dass ihre persönlichen Informationen geschützt sind.
Die Schweizer Armee hat nach einer Prüfung auf Palantir verzichtet. Auch bei der Digitalisierung des Staates muss gelten, dass der Schutz sensibler Daten Vorrang vor kommerziellen Interessen hat. Die Schweiz braucht eigene Kompetenzen und Alternativen, statt sich unnötig von ausländischen Anbietern abhängig zu machen.
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