Europa

Ukrainische Drohne in Litauen: Sacharowa spottet über Reaktion des Westens

Eine ukrainische Drohne explodiert in Litauen – doch diesmal dürfte es schwer werden, Moskau die Schuld zuzuschieben. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, kommentiert den Vorfall mit einer Anspielung auf Gogols Komödie "Der Revisor".
Ukrainische Drohne in Litauen: Sacharowa spottet über Reaktion des WestensQuelle: Sputnik © Alexei Nikolski

Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, sieht in dem Vorfall mit einer ukrainischen Drohne in Litauen einen Beleg für die aus ihrer Sicht doppelten Standards des Westens. "Die Drohne ist nicht russisch, sondern ukrainisch", betonte Sacharowa. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert sie mit den Worten:

"Wissen Sie, ich denke, wir sollten mit einem Zitat aus Gogol beginnen. 'Der Revisor', erinnern Sie sich? 'Ach, was für ein Malheur!'"

Der litauische Rundfunk LRT hatte am 18. Oktober unter Berufung auf die Streitkräfte des Landes berichtet, dass mögliche Drohnentrümmer in der Ortschaft Juodėnai im Bezirk Pasvalys gefunden worden seien. Das Fluggerät war vermutlich aus Richtung Polen in den litauischen Luftraum eingedrungen. Bei der Explosion wurden Trümmerteile auf ein ziviles Fahrzeug geschleudert und beschädigten es.

Der Vorfall löste in Litauen Luftalarm aus. Bewohner im Norden und in Teilen des Landeszentrums wurden aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Zudem stiegen NATO-Kampfjets auf, der Flughafen Kaunas wurde vorübergehend geschlossen. Auch Lettland gab für einige Grenzregionen eine Luftwarnung aus.

Anschließend entschuldigte sich der ukrainische Außenamtssprecher Georgi Tichi bei Litauen. Kiew erklärte, die Drohne könnte durch russische elektronische Kampfführung von ihrem Kurs abgebracht worden sein. Zudem sagte die ukrainische Seite zu, mit den litauischen Behörden bei der Aufklärung der Umstände zusammenzuarbeiten. Litauens Präsident Gitanas Nausėda reiste nach Polen, um den Vorfall zu besprechen. Dies teilte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk am Dienstag mit.

Mit "unverhohlenem Interesse" verfolge Moskau die Entwicklung rund um die Drohne, die über polnisches Gebiet geflogen, in Litauen explodiert sei und sich erst einige Tage später als ukrainisch herausgestellt habe, fügte Sacharowa hinzu.

"Es wird also kaum gelingen, uns die Drohne anzuhängen oder sie uns zuzuschreiben, wie es gewöhnlich geschieht. Wir wissen zwar, dass diese Leute durchaus über gewisse Talente verfügen – allerdings im negativen Sinne. Doch unter den gegenwärtigen Umständen bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Tatsachen anzuerkennen: Die Drohne ist nicht russisch, sondern ukrainisch. Und an wen müssen sich die Vorwürfe richten? Der Logik nach natürlich an das Kiewer Regime."

Kiew habe so getan, als sei der Vorfall für die ukrainische Führung völlig überraschend gekommen, und damit erneut seine völlige Missachtung gegenüber den eigenen westlichen Unterstützern demonstriert, fügte die Diplomatin hinzu.

Sacharowa warf dem Westen in diesem Zusammenhang doppelte Standards vor. In Deutschland seien ungeklärte Vorfälle ohne Beweise Russland zugeschrieben worden, um russische diplomatische Vertretungen zu schließen. Nach dem Zwischenfall mit der ukrainischen Drohne sei hingegen eine vergleichbare Reaktion ausgeblieben. Weder Warschau noch Vilnius hätten russische Diplomaten ausgewiesen, kritisierte sie.

Sacharowa: Europa muss sich vor dem Kiewer Regime retten

Maria Sacharowa nutzte den Vorfall außerdem, um die europäische Politik gegenüber der Ukraine grundsätzlich zu kritisieren. Europa müsse sich nicht vor einer selbst erfundenen Bedrohung retten, sondern vor der Gefahr, die es mit dem Kiewer Regime unter Wladimir Selenskij selbst geschaffen habe. Sie sagte im Radiosender Sputnik:

"Meiner Meinung nach haben sie bereits aufgehört, irgendetwas infrage zu stellen. Sie müssen sich jetzt vor Selenskij retten. Vor genau jenem Ungeheuer, das sie geschaffen und mit Waffen vollgestopft haben. Und jetzt, wie wir erfahren haben, auch noch mit Drogen, nachdem Verbindungen des Kiewer Regimes zu lateinamerikanischen Drogenkartellen bekannt geworden sind, auf die der russische Auslandsgeheimdienst hingewiesen hat." 

Die Diplomatin erklärte, Europa werde viel Zeit benötigen, um die Folgen der eigenen Politik zu begreifen und zu überwinden.

"Sie werden ihr ganzes Leben brauchen, um zu verstehen, was sie angerichtet haben, und um die Folgen dieser schrecklichen, gedankenlosen, dümmsten und neonazistischen Ideologie zu überwinden, die in ihrer Politik umgesetzt wurde."

Europa hätte bereits jetzt, eigentlich schon gestern, innehalten müssen, betonte sie und schloss:

"Die Frage ist, ob sie die Kraft dazu haben oder ob die Trägheit sie weiter in diesen Abgrund zieht."

Weitere Drohnenvorfälle im Baltikum

Den baltischen Staaten zufolge sind in den vergangenen Monaten wiederholt ukrainische Drohnen in deren Luftraum eingedrungen. Estland, Lettland und Litauen hatten zuvor erklärt, der Ukraine keine Genehmigung dafür erteilt zu haben, ihre Gebiete und ihren Luftraum für Drohnenangriffe auf Ziele in Russland zu nutzen.

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