
Kriegskorrespondent berichtet: "Die Front bricht an allen Enden auseinander"

Der bekannte russische Reporter Andrei Koz hat am Dienstag auf ria.ru einen aktuellen Überblick über die derzeitige Lage an der Front im Ukraine-Krieg veröffentlicht.
Erfolg in und bei Dobropolje
Die wichtigsten Nachrichten kamen in der zurückliegenden Woche von der Front bei Dobropolje. Dort ist Marinesoldaten der 61. Garde-Brigade der Nordflotte und des 177. Regiments der Kaspischen Flottille gelungen, die Stadt, die vor dem Krieg 72.000 Einwohner hatte, zu befreien. Dobropolje liegt im Westen der Volksrepublik Donezk auf einer strategisch günstigen Anhöhe, von der aus ein großer Abschnitt der Grenze zum Gebiet Dnjepropetrowsk kontrolliert werden kann, ruft Koz in Erinnerung. Es habe sich um das letzte große befestigte Gebiet des Gegners an diesem Frontabschnitt gehandelt.

Das ist nicht der einzige Erfolg der Gruppierung Zentrum. In der vergangenen Woche hat sie, schreibt Koz, das Dorf Perwomaiskoje fünf Kilometer nördlich von Dobropilje eingenommen. Die nächsten Ziele sind Beloserskoje, Kopani und Nowoukrainka. Die beiden letztgenannten Ortschaften liegen an der Straße T-0515, die Dobropolje mit Nowodonezk und Alexandrowka verbindet. Vom letztgenannten Ort könne man von Westen her in Richtung Kramatorsk vorrücken. Auf diese Weise, analysiert der RIA-Nowosti-Korrespondent, organisiere Zentrum einen Angriff auf den befestigten Verteidigungsbereich des Gegners zwischen Slawjansk und Kramatorsk an einer breiten Front – entlang zweier wichtiger Verkehrsachsen.
In anderer Richtung – von Ost nach West – dränge Zentrum den Feind "methodisch und konsequent" aus den Ortschaften entlang der Straße E-50 in Richtung Pawlograd zurück.
Der Kessel ist leergekocht
Als Nächstes widmet Koz den Aktionen der Nördlichen Gruppierung des russischen Militärs. Diese habe die Zerschlagung der ukrainischen Truppengruppe, die im Nordosten des Gebiets Charkow – an der Grenze zum Kreis Schebekino im Gebiet Belgorod – in einen Kessel geraten war, faktisch abgeschlossen. 460 Quadratkilometer Gebiet wurden befreit, schreibt der Reporter, sechs ukrainische Bataillone sowie vier Grenzkommandanturen seien eliminiert worden. Die Überreste der eingekesselten Truppen haben sich in die Waldstreifen zurückgezogen, doch dort werden sie sich nicht lange halten können, sagt Koz voraus.
Einheiten der Truppengruppe West haben in der vergangenen Woche Palamarewka und Kowalewka eingenommen – zwei nah beieinanderliegende Dörfer, sieben Kilometer nordwestlich von Kupjansk. Damit wurde ein Brückenkopf für einen Vorstoß nach Osten geschaffen – in Richtung der Straße R-79. Wird diese Straße abgeschnitten, werden die Einheiten und Verbände der ukrainischen Streitkräfte bei Kupjansk von der Versorgung abgeschnitten. Infolgedessen geriete die Stellung des Gegners am rechten Ufer des Flusses Oskol ins Wanken.
Alles blickt auf Saporoschje
Die Truppengruppe Ost habe Welikomichailowka im Kreis Pokrowsk des Gebiets Dnjepropetrowsk befreit. Dies ist nach Meinung von Koz ein wichtiger Brückenkopf für die Ausweitung der Offensive in das Innere der Region sowie für einen Vorstoß in Richtung der Stadtgemeinde Pokrowskoje. Letztere liegt an einer wichtigen Kreuzung, von der aus man sowohl nach Süden in Richtung Orechow als auch nach Westen in Richtung der Stadt Saporoschschje vorrücken kann.
Auch von der anderen Seite rücke man auf das Regionalzentrum vor. Am Montag berichtete der Pressedienst des Verteidigungsministeriums über die Befreiung des Dorfes Omelnik. Dieser Ort ist das Tor zur Stadt Orechow, dem wichtigsten Festungsgebiet der ukrainischen Streitkräfte in der Oblast Saporoschje. Genau von hier aus, ruft Koz in Erinnerung, begann im Sommer 2023 die ukrainische Gegenoffensive, die bereits im September unter den Angriffen russischer Drohnen und der taktischen Luftwaffe ins Stocken geriet.
Einheiten der Gruppierung Dnjepr haben in der vergangenen Woche Malokaterinowka (ebenfalls im Gebiet Saporoschje) eingenommen, das vor dem Krieg etwa 3.400 Einwohner zählte. Der Ort liegt am linken Ufer des (ausgetrockneten) Kachowka-Stausees, an der Mündung des Flusses Konka, zehn Kilometer nordwestlich von Stepnogorsk, dessen Befreiung das Verteidigungsministerium am 27. Dezember 2025 bekannt gegeben hatte. Bei einem Vorstoß nach Norden über Kuschugum und Balabino könnte Dnjepr die südlichen Vororte der Großstadt Saporoschje erreichen, die vor dem Krieg etwa 710.000 Einwohner zählte.
Eine Erstürmung von Saporoschje sei jedoch in naher Zukunft unwahrscheinlich, schätzt Koz ein. Allem Anschein nach wird versucht werden, die Regionalhauptstadt abzuriegeln.
Angriffe auf das Hinterland
Parallel zu den Offensiven an allen Fronten geht die russische Armee aktiv gegen das ukrainische Hinterland vor. So wurden in der Nacht zum Montag Drohnen und Raketen auf Kiew abgefeuert. Dabei wurde das Rechenzentrum Datagroup getroffen – eines der größten Telekommunikationsanbieter der Ukraine. Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete den Standort damals als Knotenpunkt für die Auswertung von Geheimdienstdaten für die ukrainischen Streitkräfte.
Es gehe noch weiter, schreibt Koz. Es wurde ein Angriff auf die Produktionsstätten des Unternehmens Fire Point in Kiew verzeichnet, das für die ukrainischen Streitkräfte eine breite Palette an Waffen herstellt: von den Langstrecken-Drohnen FP-2 bis hin zu den Flügelraketen FP-5 Flamingo und den ballistischen Raketen FP-9. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilt, wurde ein Logistikzentrum mit Bauteilen für diese Waffen zerstört.
Es sei offensichtlich, resümiert der Reporter, dass russische Fernkampfwaffen systematisch gegen kritische ukrainische Infrastruktur eingesetzt werden. Die Angriffe hätten sich kurz vor dem Wintereinbruch und dem Beginn der Heizperiode verstärkt. Angesichts des akuten Mangels an Luftabwehrmitteln ist der Gegner nicht in der Lage, dieser Bedrohung Einhalt zu gebieten.
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