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Lesebeschränkung auf Twitter: "Musk ist auf eine Klapperschlange getreten"

Twitter-Besitzer Elon Musk hat die massiven Einschränkungen von Funktionen des Dienstes mit der umfassenden Auswertung von Daten durch Dritte begründet. Ein Beobachter bestätigte, dass Twitter die wichtigste Plattform für die "Zensurindustrie" sei, die damit ihre KI-Modelle trainiert.
twitterQuelle: www.globallookpress.com © IMAGO/Christoph Hardt

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat am Samstag die Funktionen der Plattform stark eingeschränkt. Verifizierte Konten, die monatlich elf Euro bezahlen, konnten nur noch 6.000 Beiträge pro Tag lesen. Unverifizierte Konten wurden auf 600 Beiträge pro Tag limitiert und neue, nicht verifizierte Konten auf 300 Beiträge pro Tag. Da bereits das Scrollen über einen Tweet als Lesen gilt, kann das Limit gerade für nicht verifizierte Konten sehr schnell erreicht werden. Die Nutzung von Twitter ohne ein Konto ist praktisch nicht mehr möglich.

Der Besitzer der Plattform, Elon Musk, begründete die drastischen Einschränkungen in einem Tweet am Samstag mit dem "extremen Ausmaß", das die Auswertung abgegriffener Daten (Webscraping) und die Systemmanipulation erreicht haben:

"Nahezu jedes Unternehmen, das sich mit künstlicher Intelligenz befasst, von Start-ups bis hin zu einigen der größten Unternehmen der Welt, hat riesige Mengen an Daten abgegriffen."

Mehrere Hundert Organisationen hätten Twitter-Daten so "extrem aggressiv abgegriffen", "dass die Nutzererfahrung beeinträchtigt" worden sei, so Musk. Die Beschränkungen seien temporär und würden wieder aufgehoben oder gelockert werden. So sollen verifizierte Konten bald wieder bis zu 8.000 Beiträge lesen können, nicht verifizierte 800 und neue, verifizierte 400. Später erhöhte Musk die Angaben auf 10.000, 1.000 und 500.

Die Reaktionen der Twitter-Nutzer waren von Unverständnis geprägt, etwa darüber, warum Twitter keine Captcha oder andere Web-Scraping-Schutzmaßnahmen nutzt, die andere Plattformen problemlos einsetzen.

Am Sonntagmorgen schrieb Twitter Daily News, dass der Kurznachrichtendienst Notfallserver online stellen musste, um die Kapazität für das Datenauslesen zu stemmen. Twitter habe als Unternehmen nur begrenzte Kapazitäten und könne diese illegalen Aktivitäten nicht bewältigen. Die Wut der Nutzer sollte sich auf die illegalen Aktionen der KI-Unternehmen richten, die die aggressive Datenauslesung betrieben.

Optimierung von KI-Zensur-Modellen

Mike Benz, Exekutivdirektor der Stiftung Foundation for Freedom Online und Spezialist für Informationstechnologie, stellte am Samstag auf Twitter einige begründete Vermutungen zu den Hintergründen der Twitter-Einschränkungen an.

Benz wies darauf hin, dass es seit 2016 ständig weiterentwickelte KI-Zensur-Modelle gebe, die vor allem auf der massenweisen Auswertung von Twitter-Daten beruhten. Das liege daran, dass Twitter anders als zum Beispiel Facebook kein "umzäunter Garten" sei, wo man mit anderen Nutzern unter Umständen erst befreundet sein muss, um die Inhalte ihrer Seiten zu sehen.

Anders als auf Youtube sei auf Twitter zudem jeder Nutzer zugleich ein Ersteller von Inhalten, sobald er den Retweet-Knopf drücke. Die CIA, das US-Außenministerium, das US-Verteidigungsministerium, gemeinnützige Stiftungen und universitäre "Forschungs"-Zentren missbrauchten jedoch die Offenheit der Plattform, um mit ihren KI-Modellen die Entstehung von Narrativen in Echtzeit abzubilden. Benz:

"Um einen Todesstern der Medienzensur zu bauen, müssen sie in der Lage sein, Hunderte Millionen von Tweets abzugreifen."

Geschäftliche Gründe oder Kampf gegen Zensur?

Wie Musk aktuell agiere, sei deswegen interessant, so Benz, weil er auf der einen Seite durch die ergriffenen Maßnahmen gegen die Datenauslese die Offenheit des Internets selbst einschränke. Auf der anderen Seite verhindere er dadurch aber die weitere Optimierung eines "Zensur-Todessterns".

Benz könne zwar nicht ausschließen, dass Musk am Ende womöglich nur aus geschäftlichen Gründen versuche, die Zahl der zahlenden, verifizierten Konten zu erhöhen. Diese sind schließlich nicht so stark von den Leseeinschränkungen betroffen. Er sei sich aber sicher, dass es in dieser Woche Hunderte von Zensuragenten geben werde, die in den Forschungszentren der Universitäten untergebracht sind und nun "den Mond anheulen" , weil sie ihre Arbeit nicht mehr machen können.

"Ob Musk es nun weiß oder nicht: Er ist auf eine Klapperschlange getreten. Ich bin sehr gespannt, wie die Klapperschlange reagieren wird."

Mehr zum Thema – Australien weitet seine Zensur- und Propagandakampagnen immer weiter aus

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